Spielzeit 2017/18

THEATER

Von der Kunst des Planens

Reiner Ernst Ohle

Reiner Ernst Ohle | Referat THEATER

Spielpläne im Theater sind kein Teufelswerk – aber der Teufel steckt oft im Detail. Wie alle Pläne unterliegt auch unsere Jahresübersicht der Planungsregel Nummer 1: „Ja, mach` nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht! / Und mach dann noch ’nen zweiten Plan / Geh`n tun sie beide nicht.“ Was Bertolt Brecht in der Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens den „Machern“ jedweder Couleur ins Stammbuch geschrieben hat, gilt natürlich auch für den saisonalen Theaterbetrieb: Erstelle einen Plan, vielleicht auch noch einen zweiten – und rechne damit, dass beide nicht funktionieren. Bertolt Brechts denkender Vermittler Herr Keuner, der durchaus als Schutzpatron aller Planer angesehen werden kann, antwortet deshalb auch mit entwaffnender Offenheit auf die Frage, was er gerade tue: „Ich bin sehr beschäftigt – ich bereite meinen nächsten Irrtum vor.“ Jeder, der schon einmal etwas geplant hat, kennt das und lernt, demütig und bescheiden weiterzumachen und nicht aufzugeben.

Klar ist, dass nicht nur Zufall und Unwägbarkeiten jeder Art mächtige Gestalter des Spielplans sind: Was ist auf dem Markt verfügbar? Was passt – auch von den technischen Anforderungen her – in unser Haus? Zu welchem Termin kann gespielt werden? Die Entscheidung für dieses oder jenes Stück hängt zudem davon ab, wer der Planer hinter dem Programm ist, was er mit seiner Arbeit erreichen möchte, für welche Haltung er steht, welche Erfahrungen und Kontakte und welches Wissen er in die Planungen einbringen kann. Abwechslungsreich, qualitativ, ambitioniert, künstlerisch aufregend, ja, spannend soll es zugehen. Was auch immer passiert: Am Ende darf Theater alles sein, was seine Macher wollen und zeigen können – nur nicht langweilig.

Wenn ein Spielplan gelingt, sorgt er nicht nur künstlerisch für nachhaltige Eindrücke, sondern auch politisch und gesellschaftlich für eine Mobilisierung, einen Gedankenanstoß. Spielpläne entstehen aus Absichten, Haltungen, Herausforderungen und Zumutungen, sie spiegeln den Geschmack, den Stil, das Theaterverständnis ihrer Macher wider. Und die zweifelsfrei größte Gestalterin eines Spielplans ist die Begeisterung für Texte, für Schauspieler, für Ensembles und Inszenierungen. Im Idealfall passen die einzelnen Elemente perfekt zusammen. Das ist dann die Geburtsstunde magischer Momente auf den Brettern, auf denen immer wieder die Welt nachgebildet und gedeutet wird, wo sich alles ideal zusammenschiebt: das gesellschaftlich relevante Thema, eingekleidet in eine künstlerische Spielweise, versehen mit großartigen Protagonisten in einem souveränen Ensembleauftritt, der in der Lage ist, aus alten Ideen neue Funken zu schlagen.

Dem Intendanten Christian Stückl ist dies an seinem Münchner Volkstheater mit Lessings Nathan der Weise gelungen. Gotthold Ephraim Lessing, der erste deutsche Dramatiker, dessen Werk bis heute ununterbrochen in den Theatern aufgeführt wird, hat im Nathan die Frage gestellt, welche Religion die richtige sei: Islam, Christen- oder Judentum? Bei all den Glaubenskriegen in der Welt ist das über 200-jährige Stück fatalerweise das Stück der Stunde – eine Herausforderung für Aufklärung und Humanismus, das engagiert gegen religiösen Fanatismus vorgeht und die Idee der friedliebenden Koexistenz von Religionen in einem toleranten Miteinander inthronisiert. Es sind Stücke wie der Münchner Nathan, die die in unserem Haus bisher gebräuchliche Einteilung in „Theater klassisch“ und „Theater modern“ überflüssig machen und uns dazu bewegt haben, künftig nur noch „Theater“ zu machen.

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