Galerie

Einblicke in den Kunstbesitz

Zum Kunstbesitz der Bayer AG gehören rund 5.500 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen des 20. Jahrhunderts – darunter Werke von Max Beckmann, Sam Francis oder Gerhard Richter. Einblicke in die Sammlung Bayer gibt diese Galerie.

Johanna Reich

Johanna Reich, Virgins Land, 2019, 4K Video | Loop, Ed. 1/7 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Johanna Reich verbindet in ihren Arbeiten neue Bildmedien mit Malerei oder Skulptur. Ihre Videoarbeiten zeichnet eine stark medienreflexive Komponente aus. Inhaltlich befragt Sie gesellschaftliche und existenzielle Themen wie Identität, Negation, Entmaterialisierung oder Wahrheit.

Die Videoarbeit „Virgins Land“ zeigt die Künstlerin an einem leeren Strand. Sie hält eine goldene Rettungsdecke wie eine Fahne in den Wind. Die Reduktion der Bildkomponenten schafft Raum für vielfältige Assoziationen. Die Rettungsdecke kann für Flüchtlinge über Leben und Tod entscheiden, als goldene Fläche im Bild verweist sie traditionell ebenso auf materielle Kostbarkeit wie auf eine überirdische Wirklichkeit. Während Johanna Reich in einigen ihrer früheren Videos durch neutrale Kleidung mit Kapuzenoberteilen absichtlich androgyn auftritt, ist sie hier bewusst als weibliche Akteurin erkennbar – ein femininer Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Johanna Reich (* 1977) lebt und arbeitet in Köln. Nach einem Studium an der Kunstakademie Münster studierte sie bei Wim Wenders an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und absolvierte ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Ihre Werke werden in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt sie 2017 den Frauenkulturpreis des LVR.

Julian Opie

Julian Opie, People 28, 2017, Computeranimation | LED Wandinstallation © Julian Opie/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Julian Opie gehört seit fast drei Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern der englischen Gegenwartskunst. Charakteristisch für Opies Kunst sind dicke schwarze Umrisslinien, monochrome Farbflächen und klaren Formen. In seinen Porträts reduziert er Gesichtszüge mit wenigen schwarzen Linien auf ein Minimum und schafft es dadurch, die wesentlichen Merkmale einer Person wiederzugeben. Diese Reduktion auf das Wesentliche zieht sich durch Opies Werk und repräsentiert eine Zeichenhaftigkeit, die an weltweit verständliche Piktogramme erinnert - eine universelle Sprache der Bilder. Zwar nähern sich seine Werke optisch an die Pop-Art an, Opie interessiert sich jedoch weniger für Themen der Massenkommunikation als vielmehr für die vielfältigen Möglichkeiten der Darstellung, die neue Medien und Medientechnologien bieten - das spiegelt auch die Vielfalt seiner hauptsächlich computergestützten künstlerischen Methoden wider.

Opies LED-Wandinstallation „People 28“, zeigt eine Computeranimation, die zunächst einfach Personen, die als Typen leicht erkennbar sind, als Passanten zeigt. Der Animationsloop erweckt den Anschein einer unendlichen Bewegung und begeistert im Sinne eines Perpetuum mobile, denn die dahinterliegende Kraft bleibt wie so oft im Alltag für uns verborgen. Es bleibt das Werk, welches die menschliche Individualität thematisiert und trotz starker Vereinfachung die Essenz zu erhalten weiß. Eine Parallelwelt aus Pixeln als Spiegel der Wirklichkeit.

Martin Kippenberger

Martin Kippenberger, 4. Preis, 1987, Öl und Silikon auf Leinwand © Nachlass Kippenberger

Martin Kippenbergers Laufbahn als Künstler war außerordentlich facettenreich, seine Kreativität grenzenlos. Der außergewöhnliche Künstler, der dem Kreis der sogenannten Neuen Wilden zugeordnet wird, einer Gruppe junger Maler, die in den 1970er-Jahren die Tradition der Maler des deutschen Expressionismus wiederbelebten, arbeitete in unterschiedlichsten Medien und ließ diese ineinander greifen.

In seinen Werken wob der Künstler ein Netz von Verweisen und Bezügen zwischen der Alltagskultur der Punk-Generation und der Postmoderne. Seine Themen entsprangen stets dem Alltag. Vor allem aber hinterfragte er den Kunstbetrieb kritisch. Die Unterminierung des traditionellen Kunstbegriffs war Programm. In diesem Kontext ist auch die spöttische Bildfindung des Gemäldes 4. Preis von 1987 zu sehen. Das ewige Streben um den ersten Preis wird hier als Klischee ad absurdum geführt, der Gewinn des vierten Preises wird mit dem Gemälde gefeiert! Doch wer interessiert sich schon für den vierten oder gar den zwölften Preis? Hier ironisiert der Künstler das Gerangel um die beste, sprich erste Position in den vielen Wettbewerben – auch den Kunstwettbewerben –, die unser Leben begleiten, und persifliert den uneingestandenen Kampf von Gewinnern und Verlierern, indem er dem vierten (unerwünschten) Preis ein Denkmal setzt. 

Gerhard Richter

Gerhard Richter, I.S.A., 1984, Öl auf Leinwand © Gerhard Richter

Gerhard Richter gehört zu den bedeutendsten Malern des 20. und 21. Jahrhunderts. Wegen seines unberechenbaren Stils wird er als „Chamäleon“ bezeichnet: Er lotet künstlerische Möglichkeiten immer wieder neu aus und experimentiert mit innovativen Ansätzen. Seine Werke decken das gesamte Spektrum der Malerei ab. Zu Beginn seines Schaffens konzentrierte er sich auf Gegenständliches. Er malte Landschaften und Stillleben, schuf aber auch systematische Farbtafeln und Schwarz-Weiß-Fotografien. Um 1976 begann er seine schillernden, expressiven Farbspiele. Das Abstrakte Bild (555) stammt aus der gleichnamigen Werkgruppe, die er 1980 begann und noch immer fortführt.

Geboren wurde Richter im Jahr 1932 in Dresden. Fast neun Jahre lernte und arbeitete er an der dortigen Hochschule für bildende Künste. 1961 floh er nach Westdeutschland und setzte sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort. Heute lebt der mehrfach ausgezeichnete Künstler in Köln, wo er 2007 den Ehrenbürgertitel erhielt. 

Ulrike Rosenbach

Ulrike Rosenbach, Art is A Criminal Action, 1969/2019, Fotografie auf Leinwand, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ulrike Rosenbach arbeitet als eine der ersten Performance- und Medienkünstlerinnen seit Ende der 1960er Jahren innovativ mit Fotografie, Video und multimedialer Installation. Sie kam durch ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in Kontakt zur Happening- und Fluxusszene. Bereits 1969 gründete sie als Meisterschülerin von Joseph Beuys eine Künstlerinnengruppe, die Kontakte zur amerikanischen Women's-Liberation-Szene hatte. 1970 wurde sie von Lucy Lippard zur ersten großen amerikanischen Kunstausstellung „1000 miles from here“ eingeladen, an der ausschließlich Künstlerinnen beteiligt waren.

Ihre kritische Auseinandersetzung mit den Klischees der patriarchalischen Bildtradition und deren Trivialisierung in den Unterhaltungsmedien schlug sich auch früh in der ikonischen Fotoarbeit „Art is A Criminal Action“ nieder, in der sich die damals 26-jährige Künstlerin selbstbewusst zusammen mit dem berühmten ganzfigurigen Cowboy-Elvis von Andy Warhol ins Bild setzte. 2019 hat Rosenbach das Motiv nochmals aufgenommen und die Fotoarbeit digitalisiert und auf Leinwand gedruckt, so dass sie dem Siebdruck-Original von Warhol noch ähnlicher wird. Sowohl inhaltlich als auch medientheoretisch bleibt der Diskurs höchst aktuell.

Sam Francis

Sam Francis: Heart Stone © Sam Francis Foundation, California / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Am Anfang von Sam Francis’ Malerkarriere stand ein persönliches Unglück: Als Pilot der US-amerikanischen Luftwaffe stürzte Francis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ab. Er verletzte sich so schwer, dass er jahrelang in Hospitälern leben musste. In dieser Zeit entdeckte er seine Leidenschaft für die Malerei. Als Francis wieder genesen war, wechselte er an die University of California zur Kunst, statt sein Studium der Medizin und Psychologie fortzusetzen.1950 siedelte Francis nach Paris über, wo er schnell Kontakt zu Künstlerkreisen fand. Typisch für seine Bilder aus dieser Zeit waren in Rinnsalen ineinanderfließende Farben. 1952 widmete ihm eine Pariser Galerie die erste Einzelausstellung.

1957 unternahm Sam Francis eine Weltreise. Als er in Japan Station machte, führte er den Auftrag für ein großes Wandgemälde aus. Ähnliche Arbeiten in der Kunsthalle Basel und der Chase Manhattan Bank in New York folgten. Nach einer Schaffenskrise vollzog Francis in den 1970er-Jahren einen Stilwechsel. Er wurde zum Action Painter und erlangte auf diesem Gebiet Berühmtheit. Außerdem wendete er sich Techniken wie der Lithografie, der Monotypie und der Radierung zu. Er schuf in diesen Jahren mehrteilige Bildkompositionen mit teilweise verfließenden Farben. In seiner letzten künstlerischen Schaffensphase entstanden bemerkenswerte Auftragsarbeiten, vor allem Wandbilder. 

Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay, Rot im Zentrum, 1955, Öl auf Leinwand © Elisabeth Nay-Scheibler, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ernst Wilhelm Nays Werk ist vielseitig und lässt sich keiner großen Kunstströmung zuordnen. Der aus Berlin stammende Maler hat wesentlich dazu beigetragen, die moderne Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zu etablieren.

Nay absolvierte 1928 die Malereiklasse der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Er war Meisterschüler des Expressionisten Karl Hofer. Der Einfluss seines Lehrers auf die frühen Bilder Nays ist deutlich erkennbar. Er malte überwiegend gegenständlich, bisweilen surreal. Bei Sommeraufenthalten an der Ostsee in Pommern entstand etwa der Zyklus Dünen- und Fischerbilder. Die Nationalsozialisten ächteten Nays Arbeiten – 1937 zeigten sie zwei seiner Gemälde in der Ausstellung Entartete Kunst. Im selben Jahr reiste Nay auf die Lofoten, finanziell unterstützt durch den norwegischen Maler Edward Munch. Auf den Inseln schuf Nay zahlreiche Aquarelle und später, im Berliner Atelier, die Lofoten-Bilder, ein erster Höhepunkt seines Werks. Im Zweiten Weltkrieg musste Nay der Wehrmacht beitreten, unter anderem diente er als Kartenzeichner.

Nach Kriegsende begann für den Künstler eine neue Schaffensphase, unter anderem mit den Fugalen Bildern und den Rhythmischen Bildern. Charakteristisch für seinen Stil wurden das abstrakte Farbenspiel und die rhythmische Komposition der Bildelemente. Rot im Zentrum zählt zur Serie der Scheibenbilder, die Nay in den 1950er-Jahren schuf. Das Gegenständliche verschwand fast völlig aus seinem Werk, tauchte allenfalls als Ornament auf – beispielsweise in den Augenbildern aus den 1960er-Jahren. 

Max Beckmann

Max Beckmann, Orchidee- Stillleben mit grüner Schale, 1943, Öl auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Max Beckmann zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein Frühwerk war vom deutschen Impressionismus geprägt. Der Erste Weltkrieg veränderte seinen Stil jedoch deutlich in Richtung Expressionismus; den Raum gliedert er nun oft kubistisch.

Unter den Nationalsozialisten galt Beckmanns Werk als „entartet“ und wurde in Propaganda-Ausstellungen diffamiert. Im Juli 1937 fand in den Münchner Hofarkaden die berüchtigtste dieser Schmähungen statt: die Ausstellung Entartete Kunst, in der auch zehn Arbeiten Beckmanns gezeigt wurden. Die dort verunglimpften Künstler gelten heute als Meister der Moderne. Bereits 1933 entließ die damals gleichgeschaltete Frankfurter Städelschule Max Beckmann fristlos aus seiner Professur. Der Künstler zog daraufhin nach Berlin, verließ aber bereits 1937 Deutschland für immer: Zunächst emigrierte er nach Amsterdam.

Hier schuf Beckmann rund 280 Ölbilder – ein Drittel seines gesamten malerischen Werks. Seine Bilder wurden umso leuchtender und lebendiger, je bedrückender die äußeren Umstände waren. Beispiele dafür sind seine Stillleben: Insgesamt schuf Beckmann seit Beginn der 1920er-Jahre mehr als 140 solcher Werke. Im Zentrum vieler Stillleben aus der Amsterdamer Zeit stehen Blumen – in diesem Fall Orchideen. Sie sind ein Symbol blühender Lebensfreude. Obwohl die Bildausschnitte durchgehend eng gewählt sind und Wände die Motive begrenzen, entfalten die Blüten ihre volle Schönheit. Bereits 1939 bewarb Beckmann sich um ein Visum für die USA und wanderte 1947 schließlich dorthin aus. In seinen letzten Lebensjahren in den USA erhielt er höchste Anerkennung; zahlreiche Ausstellungen zeigten seine Arbeiten. 

Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner, Reiter im Grunewald, 1914, Lithographie © by Ingeborg & Dr. Wolfgang Henze-Ketterer, Wichtracht/Bern

Ernst Ludwig Kirchners Berufswunsch war ursprünglich Architekt. Nach Abschluss seines Studiums 1905 in Dresden entschied er sich jedoch für die Kunst. Gemeinsam mit seinen Studienkollegen Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gründete er die Künstlergruppe Die Brücke. Sie prägte die deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts nachhaltig.

1911 übersiedelte Kirchner nach Berlin. Hier erreichte der Autodidakt mit expressionistischen Werken seinen ersten schöpferischen Höhepunkt. Zwei Jahre später kam es zu einem Streit zwischen Kirchner und den Mitgliedern der Brücke – die Gruppe zerbrach.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Kirchner freiwillig zum Kriegsdienst, litt aber so sehr unter dem Kasernendrill, dass er nervlich zusammenbrach. Finanziell unterstützt von Bewunderern seiner Kunst zog er sich in Kliniken zurück.
Doch erst mit dem Umzug ins schweizerische Davos begann sich Kirchner zu erholen. Es folgte eine zweite künstlerische Glanzzeit.

Im nationalsozialistischen Deutschland galten Kirchners Bilder als entartet. Die Diffamierungen in der Heimat und eine nie ganz überwundene Abhängigkeit von Medikamenten stürzten ihn in eine zweite große Krise. 1938 nahm sich der Maler das Leben. 

Max Liebermann

Max Liebermann, Bildnis des Industriellen Geheimrat Friedrich Carl Duisberg, 1909, Öl auf Leinwand © Bayer AG

Der erste Bayer-Generaldirektor Dr. Carl Duisberg ließ sich häufig porträtieren. Von Max Liebermann gibt es zwei Duisberg-Porträts: eines leger sitzend mit heller Weste bekleidet und ein weiteres stehend mit präsentierendem Gestus.

Liebermann gilt als Wegbereiter der modernen deutschen Malerei und einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Impressionismus. In den 1880er-Jahren veränderten sich seine Arbeiten von einem naturalistischen zu einem impressionistischen Stil. Liebermann war Mitbegründer und langjähriger Präsident der Berliner Secession. Als Künstler genoss er bis zur Machtergreifung Hitlers höchste Anerkennung. Die Nationalsozialisten ächteten seine Arbeit, diffamierten ihn aufgrund seiner jüdischen Herkunft und isolierten ihn gesellschaftlich. Im Jahr 1934 starb Liebermann nach schwerer Krankheit.

Neben den Arbeiten Liebermanns malten auch Leo Samberger, Fritz Rhein, Oskar Hagemann, Johannes Marx, Fritz Erler und Arthur Fischer Ölbilder von Carl Duisberg. Fritz Reusing fertigte Kohleporträts von ihm an, der Medailleur Arnold Hartig Bronzeporträts.

Außerdem gibt es Duisberg-Büsten von Adolf von Hildebrand, Hugo Lederer und Fritz Klimsch.