BEHIND THE SCENES / KUNST

Lieber Herr Schumann,..

..wie kamen Sie zu Ihrer Berufung, sich mit Exilliteratur und Exilkunst zu beschäftigen?

Durch eine Begegnung als Schüler mit Thomas Manns Witwe Katia in Kilchberg, die mir das Haus Thomas Manns zeigte, sich angeregt mit mir unterhielt und mir eine Buddenbooks-Ausgabe mit Widmung schenkte - das fand ich so interessant, dass ich fortan persönlichen Kontakt zu vielen Exil-Autoren und -Autorinnen knüpfte, Bücher und Dokumente von ihnen sammelte, sowie später auch Werke von Exil-Künstlern über das Thema publizierte und den Verlag „Edition Memoria" gründete.

..wie viele Bücher und Kunstwerke besitzen Sie?

10.000 Bücher von Exil-Schriftstellern und 700 Kunstwerke von Exil-Künstlern (darüber hinaus auch noch viele Bücher und Kunstwerke von Nicht-Exil- Betroffenen).

..die von Ihnen geführte Sammlung „Memoria“ wird bei uns im Erholungshaus von September 2018 bis Januar 2019 zu bestaunen sein. Haben Sie ein persönliches Lieblingswerk aus dieser Sammlung? Wenn ja, welches, und warum?

Angesichts von 120 Werken, die in der Ausstellung gezeigt werden, gibt es mehr als nur ein Lieblingswerk. Zu den besonders von mir geschätzten Künstlerinnen und Künstlern gehören Charlotte Berend-Corinth, Arthur Kaufmann, Lotte Laserstein, Rudolf Levy, Eugen Spiro und Julie Wolfthorn.

..welche gesellschaftliche Funktion besitzt Kunst aus Ihrer Sicht?

Leider hat Kunst meines Erachtens keine direkte Wirkkraft für eine bessere Welt, was sehr zu wünschen wäre - allerdings ist Kunst das, was von einer Zeit und Gesellschaft bleibt, deshalb ist sie so wichtig und förderungswert.

..was war die bisher größte Herausforderung Ihrer Karriere?

Die inhaltliche, wie organisatorische Gesamtproduktion des auch in der Leverkusener Ausstellung vorliegenden und erwerbbaren Bildbandes „Deutsche Künstler im Exil 1933-1945" innerhalb von nur drei Monaten – Nur wenige Stunden vor der Presse-Konferenz zu der Ausstellung meiner Sammlung in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz im April 2016 war er fertig.

..welches Museum/welche Ausstellung würden Sie gerne noch besuchen?

Am liebsten würde ich ein „Museum des Exils", das es noch nicht gibt, das ich auf Grundlage meiner umfangreichen Sammlungen zu gründen seit Längerem bestrebt bin, besuchen. Gerne aber auch noch das Kunstmuseum der Künstlerkolonie Ahrenshoop, das ich noch nicht kenne oder das eher abseits gelegene Museum für Kunst der Westküste in Alkersum/Föhr.

..was halten Sie von Kunstvermittlung im digitalen Raum (wie beispielsweise auf den Blogs verschiedener Kunsteinrichtungen)?

Das ist sicher wichtig - kann und sollte aber niemals den Besuch realer Ausstellungen und Museen ersetzen.

..wenn Sie sich selber googeln, dann..?

Eigentlich google ich mich sehr selten, vielmehr google ich die Autoren und Autorinnen, die Künstler und Künstlerinnen meines Verlages „Edition Memoria“ und dann freue ich mich über die doch vielfältige Resonanz zu ihnen - sowie derzeit ganz besonders zu der berühmten Kinderbuchautorin und Illustratorin Judith Kerr, deren Autobiographie „Geschöpfe" ich kürzlich verlegen konnte.

Bayer Kultur bedankt sich ganz herzlich für die Beantwortung der Fragen.

Die Ausstellung „Deutsche Künstler im Exil 1933 - 1945" wird vom 9. September 2018 (Vernissage) bis zum 6. Januar 2019 im Erholungshaus zu besichtigen sein.

Am 23. November 2018 (10 Uhr) haben Sie die Möglichkeit, die Sammlung durch Führung und Vortrag von Herrn Schumann persönlich zu erleben.

Anmeldung und Information unter 0214 30-41283/-41284 oder bayerkultur@derticketservice.de.

Öffnungszeiten:
Sa/So/feiertags, 11:00-17:00 Uhr

Öffentliche Führungen (kostenfrei):
Jeden 1., 3. und 5. SO, 11:15 Uhr

Thomas B. Schumann ist leidenschaftlicher Sammler von Exilkunst- und literatur.

(c) Edition Memoria