IM INTERVIEW MIT... |
MARIE-AGNÉS KRATZ
stART-KÜNSTLER-MUTTER

stARTacademy: Philippe Kratz / Choreographie + Tanz 

Frau Kratz, Ihr Sohn hat sehr früh angefangen, sich mit Tanz zu beschäftigen. Was war der ausschlaggebende Impuls, ihn schon in so jungen Jahren zum Unterricht anzumelden?
Mit Kolleginnen und Kollegen hatten wir damals im Labor eine sogenannte „Wasserkasse“, und immer wenn Geld genug darin war, sind wir essen gegangen. Da ich alleinerziehend war, habe ich meinen Sohn zu vielen Veranstaltungen mitgenommen. So waren wir einmal in einem libanesischen Restaurant. Dort trat eine Bauchtänzerin auf. Als die Tänzerin anfing, stand mein Kind dort wie zur Salzsäure erstarrt und hatte nur noch Augen für sie. Zu Hause hat er die Bewegungen dann nachgemacht – so gekonnt, dass ich dachte „da muss ich etwas machen". Da war Philippe zwei Jahre alt. Aber Bauchtanz für Kinder, erst recht für Jungs, konnte ich mir nicht vorstellen. Also habe ich die nächstliegende Ballettschule gesucht. Das war damals die Ballettschule Krassa in der Rathenaustraße. Philippe ist dort viele Jahre mit Freude hingegangen. Es hat ihn nie gestört, dass er die meiste Zeit der einzige Junge war.

Wie ernst haben Sie sein Interesse damals genommen? Und ab welchem Zeitpunkt war für Sie als Eltern klar, Ihr Sohn schlägt eine künstlerische Laufbahn ein? Wie ging es Ihnen damals damit?
Ich habe gesehen, wie viel Freude mein Sohn in der Ballettschule hatte. Die Freude am Tanzen hat letztendlich auch die Wahl der weiterführenden Schule bestimmt. Wir hatten uns die Aufführung von der „West Side Story“ der Ballett AG des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums unter der Leitung von Suheyla Ferwer angeschaut. Damit war klar, dass Philippe da mitmachen will. Dafür hat er Latein als erste Fremdsprache in Kauf genommen. Aber noch war es ein schönes Hobby mit tollen Erfolgserlebnissen. Aufgrund seiner Bewerbung für ein Schuljahr im Ausland ist er 2002 in Montréal, Kanada, in eine Klasse gekommen, die nachmittags professionelles Balletttraining hatte. Nach diesem Jahr wusste Philippe, dass er das Tanzen zum Beruf machen möchte. Er hat sich bei der Staatlichen Ballettschule in Berlin beworben, ist angenommen worden und hat dann innerhalb von drei Jahren Abitur und eine Ausbildung zum staatlich geprüften Bühnentänzer gemacht.
Philippe war 16 Jahre alt, als er nach Kanada ging. Ich dachte danach kommt er mindestens noch einmal für zwei Jahre nach Hause. Als er dann nach Berlin ging, war klar, er kommt nicht mehr zurück. Das war nicht einfach für mich. Heute heißt das Empty-Nest-Syndrom.

Gibt es in Ihrer Familie ein starkes kulturelles Interesse und vielleicht aktives Engagement? Eventuell in einer anderen Sparte?
Kulturelles Interesse gab es, aber nur als Konsumenten. Wir sind als Kinder schon immer zum Weihnachtsmärchen ins Staatstheater nach Wiesbaden – ich bin im Taunus aufgewachsen – gefahren. Da habe ich auch zum ersten Mal ein Ballett gesehen: „Schwanensee“ ist mir unvergesslich. Ich sage immer, dass Philippe das gesamte Talent unserer Familie hat. Immerhin spielt ein Neffe von mir in seiner Freizeit Klavier und zwei Nichten gehen in eine Ballettschule.

Gibt es Schnittstellen zwischen Ihrem Beruf und dem Ihres Sohnes?
Nicht direkt. Wir diskutieren schon mal über Interessenvertretungen, Gewerkschaften, Aufgaben des Sprechers der Tänzerinnen und Tänzer (vergleichbar mit den Vertrauensleuten bei Bayer). Wie würde man bei Bayer mit diesem oder jenem Problem umgehen?

Welche kulturellen Einrichtungen in Leverkusen und Umgebung nutzen Sie regelmäßig bzw. gefallen Ihnen besonders?
Als Philippe aufs Gymnasium wechselte und in der Ballett AG mitmachte, hielt ich es für sinnvoll, hin und wieder Profis tanzen zu sehen. Wir hatten ein Abonnement für den Ballett- und Tanzring von Bayer Kultur. Das hat uns sehr viel Spaß gemacht. Das Abo habe ich immer noch – inzwischen mit einer Freundin. Ich freue mich auch immer über die Kunstausstellungen im Erholungshaus. Übrigens hat mir die Ausstellung der Sammlung Bayer in Berlin auch sehr gut gefallen. Natürlich kenne ich auch die Philharmonie in Köln, das Tanzhaus NRW in Düsseldorf, das Folkwang-Museum in Essen und einiges mehr, aber Leverkusen hat kulturell so viel zu bieten, dass man kaum in die großen Städte der Region ausweichen muss.


Marie-Agnés Kratz begann 1980 ihre Ausbildung zur Biologielaborantin, arbeitete viele Jahre im Pflanzenschutz, erst in der Insektizid-Forschung, danach in der Entwicklung und ist seit etwa zwei Jahren freigestellte Betriebsrätin (für das Sachgebiet Entgelt, Arbeitszeit und betriebliches Vorschlagswesen).


Wir bedanken uns für das Interview und freuen uns auf eine spannende Zusammenarbeit mit Philippe Kratz! Wer mehr über ihn erfahren möchte, kann einen Blick auf die Website der Compagnie Aterballetto werfen, der Philippe angehört.


Foto: Grace Lyell