Frauen

Frauen in Kunst und Kultur stehen ihren Mann

In Deutschland wurde das Wahlrecht für Frauen 1918 eingeführt. Damit liegen wir hinter den skandinavischen Ländern Finnland (1906), Norwegen (1913) und Dänemark (1915), aber auch ein gutes halbes Jahrhundert vor der Schweiz (1971) oder Portugal (1974). Doch lassen sich daraus Rückschlüsse auf die Stellung der Frau in der Kultur ableiten?

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Kunstschule Bytom © Michal Pansczyk

Fakt ist, dass Frauen jahrhundertelang eine eher begleitende Rolle in Kunst und Kultur gespielt haben. In der antiken Athener Gesellschaft hatten sie keinerlei politische Rechte. Zu den Aufgaben der als tugendhaft angesehenen Frau gehörten hier eher die Hausarbeit und die Erziehung der Kinder. Das einzige Merkmal, das entfernt auf handwerklich-künstlerische Tätigkeiten hinweist, sind Strick- und Näharbeiten, die von der „Dame des Hauses“ angefertigt wurden. Diese aus heutiger Sicht nicht gerade dem Mann gleichberechtigte Stellung bündelt sich in einer Aussage von Perikles, der gesagt haben soll, „man solle von ihnen [den Frauen] so wenig wie möglich reden, ob man sie lobt oder tadelt“. Zu Beginn der Renaissance änderte sich zumindest die Darstellung der Frau in der Kunst. Hier sah man die Frau nun als „nährende Mutter“, die den „Menschen der Renaissance“ gebärt. Zum ersten Mal wurde auch Maria lächelnd als liebevolle Mutter mit dem Jesuskind dargestellt. Gesellschaftlich war die Frau allerdings immer noch nicht besser gestellt als in den Jahrzehnten zuvor, sondern nach wie vor in Rollenbilder gezwängt: Mutter, Tochter, Hexe oder Heilige waren nur einige der Klischees, die man ihr anhaftete.

Erste zaghafte Ansätze einer kleinen Revolution lassen sich im Barock beobachten. Grundsätzlich entschied auch in dieser Zeit noch der Mann über die Bildung seiner Frau (im westlichen aufgeklärten Kulturkreis heutzutage undenkbar), doch die Frauen fanden einen Weg, ihre „Ausdruckslosigkeit“ zu umgehen: Sie entdeckten das Schreiben unter Pseudonymen und hatten erstmals den Hauch einer Möglichkeit, ihre eigene Meinung frei zu äußern. Doch erst die um die Jahrhundertwende (1900) geborenen Akademikerinnen, Journalistinnen, Schriftstellerinnen, Tänzerinnen und Künstlerinnen können als Protagonistinnen der „Neuen Frau“ angesehen werden. Sie machten sich dafür stark, einen Beruf ausüben zu dürfen und in einer ebenbürtigen Beziehung zu leben.

Mit der Musik auf dem Weg in die Freiheit

Zum Glück hat es immer Frauen gegeben, die ihrer Zeit voraus waren beziehungsweise großartige Dinge geleistet haben: Katharina II. (1729-1796), genannt Katharina die Große, galt zum Beispiel schon zu Lebzeiten als Mäzenin. Sie unterstützte Philosophen und Künstler und schrieb – was die wenigsten wissen – satirische Artikel, Memoiren, Märchen, Gedichte, Komödien und Opernlibretti. Die italienische Opernsängerin, Komponistin und Instrumentalistin Francesca Caccini (1587-1640) galt als die beste Sängerin ihrer Zeit und erhielt Angebote von den Höfen Roms und Paris. Darüber hinaus schrieb sie eigene Bühnenwerke, die auch heute noch zu Wiederaufführungen gelangen, wie unlängst die Ballettoper La liberazione di Ruggiero dall´isola d´Alcina, die u. a. 2016 in München zu sehen war. Fanny Hensel (1805-1847) – die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy – und Alma Mahler-Werfel (1879-1964) – Ehefrau des Komponisten Gustav Mahler, des Architekten Walter Gropius und des Dichters Franz Werfel sowie Geliebte des Malers Oskar Kokoschka (eine wahre „femme fatale“ also) – mussten ein wenig mehr Raffinesse anwenden, um im wahrsten Sinne des Wortes gehört zu werden. Fanny Hensel war die musikalische Karriere zu Lebzeiten von ihrer Familie weitgehend untersagt. Was sie aber nicht davon abgehalten hat, ihren Weg zu gehen, Klavier zu spielen, zu studieren und zu komponieren. Alma Mahler-Werfel versammelte als Gastgeberin künstlerischer Salons in Wien, Los Angeles und New York Künstler und Prominente um sich und hat der Nachwelt eine Reihe an Kunstliedern hinterlassen. Die Werke dieser beiden Frauen werden aktuell von der klassischen Musikwelt entdeckt, und Sie, liebes Publikum, kommen im November in den Genuss, den beiden im Konzert der Bayer-Philharmoniker zu „begegnen“. Schaut man auf unseren Spielplan 2017/18, fällt einem auch der Name der jungen schwedischen Posaunistin Louise Pollock ins Auge, die im September 2016 als erste Frau überhaupt den ersten Preis beim Internationalen Aeolus Bläserwettbewerb gewonnen hat.

Die Kunst des Netzwerkens

In der Kunst fallen einem Namen wie Käthe Kollwitz (1867-1945) oder Peggy Guggenheim (1898-1979) ein, wenn wir an starke Frauenbilder denken. Käthe Kollwitz war als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, leitete dort das Meisteratelier für Graphik und erhielt zeitgleich einen Professorentitel. Zu ihrem 50. Todestag würdigten sie zahlreiche Kuratoren mit Ausstellungen in der gesamten Region. Zu Peggy Guggenheim, einer der bedeutendsten Mäzeninnen der Kunst des 20. Jahrhunderts, kommen den meisten Menschen in erster Linie Museen oder Sammlungen in den Sinn. Mit 13 Jahren verlor sie ihren Vater beim Untergang der Titanic. Später zog sie mit seinem Erbe nach Paris, lernte dort viele Künstler – und Männer – kennen und kaufte deren Werke. Darunter höchst wohlklingende Namen wie Picasso, Giacometti, Dalí, Mondrian oder später auch Pollock. 1979 besaß Peggy Guggenheim eine Sammlung, deren Wert schon damals auf 40 Millionen Dollar geschätzt wurde. Heute soll ihr künstlerischer Privatbesitz – über 6000 Bilder und Objekte – mindestens drei Milliarden Dollar wert sein. In die Reihe der künstlerisch tätigen Frauen passt auch die Fotografin Vera Mercer (*1936), deren Schaffen sich über Fotoreportagen und künstlerische Fotodokumentation hin zu eigenen, großformatigen Fotoarbeiten entwickelt hat. Einige davon sind ab September 2017 im Erholungshaus zu sehen.

Frauen auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Im Theater war es lange Zeit der Fall, dass Frauenrollen von Männern gespielt wurden (bestes Beispiel hierfür ist Shakespeare). Doch mitten im 17. Jahrhundert wird auf einmal mit dieser „Tradition“ gebrochen, echte Frauen betreten die Bühne. Mit der Erlaubnis von König Charles II. werden plötzlich alle Frauenrollen von tatsächlichen Schauspielerinnen verkörpert. Das Publikum ist begeistert, und die Autoren fangen an, ihre Stücke auf Schauspielerinnen auszurichten. Zu Zeiten von Ida Ehre (1900-1989), 1945 Gründerin und bis zu ihrem Tod Leiterin der Hamburger Kammerspiele, hatten sich Frauen als Schauspielerinnen bereits etabliert. Bestes Beispiel ist die Dänin Asta Nielsen (1881-1972), ein vielgefragter Stummfilmstar. In der Hamlet-Verfilmung von 1920 ist sie nicht nur als Schauspielerin in einer Männerrolle (!) – dem Dänenprinzen – zu sehen, sondern hat den Film auch gleich selbst produziert. Ein kleiner Meilenstein in der Mediengeschichte, und weil dieser so schön anzuschauen ist, zeigen wir ihn inklusive Live-Musik-Performance im Rahmen der Gipfelstürmer bei uns im Erholungshaus.

Ob die Einführung des Wahlrechts für Frauen, das Zeitalter der Aufklärung, der Beginn der Industrialisierung oder eine allgemeine Emanzipation dafür gesorgt haben, dass Frauen aus dem Schatten der Männer hervorgetreten sind, ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass sie heutzutage nahezu gleichberechtigte Möglichkeiten haben, sich in der Kunst, im Theater, auf der Bühne, beim Film und in anderen Lebensbereichen zu verwirklichen. In der Spielzeit 2017/18 möchten wir unser Augenmerk auf einige dieser starken und selbstbewussten Frauen legen und freuen uns, Ihnen diese mit einer Auswahl an Veranstaltungen näherbringen zu können.

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