IM INTERVIEW MIT...|
ALEXEJ GERASSIMEZ

stARTacademy: Alexej Gerassimez / Schlagzeug

Wieso sind Sie Schlagzeuger geworden? Was fasziniert Sie daran am meisten? Gibt es Vorbilder?
Ich komme aus einem Musikerhaushalt und bin früh mit Musik in Verbindung gekommen. Die Energie des Schlagzeugs jedoch hat mich von Anfang an immer am meisten fasziniert. Mit drei oder vier Jahren habe ich meiner Mutter die Töpfe aus der Küche geklaut und in meinem Kinderzimmer „Konzerte“ gegeben. Als ich etwas älter war, waren meine Vorbilder vor allem die schottische Schlagzeugerin Evelyn Glennie und mein späterer Lehrer, Peter Sadlo.

Spielen Sie auch noch andere Instrumente?
Mein Vater war nicht begeistert, als ich Schlagzeug spielen wollte, weil er nicht wusste, wie vielseitig das Instrument sein kann. Deshalb wurde ich erst einmal zum Klavierüben verdonnert. Das Klavier war sozusagen mein erstes Instrument, erst ca. zwei Jahre später kam ich zum Schlagzeugspielen. Klavier spiele ich aber auch heute immer noch, und es hilft mir sehr bei meinen eigenen Kompositionen.

Sind Sie festgelegt auf eine Stilrichtung oder bevorzugen Sie eine bestimme Musikepoche?
Beim Schlagzeug mag ich, dass fast jede Kultur seine eigene Art von Percussion-Instrument hervorgebracht hat. Aus diesem Grund ist es so vielfältig und farbenreich und praktisch in jedem Genre zu Hause. Egal ob Fusion Jazz, Hardrock, Soul oder Klassik. Ich liebe diese verschiedenen Stilrichtungen und Möglichkeiten, sich musikalisch auszudrücken. Mit dem Schlagzeug verbinde ich Kulturen und Menschen miteinander.

Was war für Sie persönlich bisher der größte Erfolg Ihrer Karriere? Gab es auch einen bemerkenswerten Misserfolg?
Misserfolge sind ungemein wichtig, um im Leben weiter zu kommen und als Persönlichkeit zu reifen. Ich habe früher sehr viele Wettbewerbe gespielt und fast immer gewonnen. Wenn ich dann mal nicht den ersten Preis bekam, habe ich an meinem Können gezweifelt, was aus heutiger Sicht total übertrieben war. Irgendwann versteht man, dass das wirklich Wichtige alleine deine persönliche musikalische Aussage ist. Und die ist ab einem gewissen Niveau nicht wirklich vergleichbar, weil es nicht um "höher-schneller-weiter" oder Punkte geht, sondern um Emotionen und Gefühle. Mein größter Erfolg ist sicherlich, dass ich heute die Musik spielen und schreiben kann, die ich liebe, mit den Künstlern und Musikern zusammenarbeiten darf, die ich toll finde, und meine Begeisterung für die Musik auf der Bühne mit dem Publikum teilen kann.

Was ist für Sie die größte Herausforderung in Ihrem Beruf als Musiker und Künstler?
Durch unsere digitale Welt, in der wir quasi ständig erreichbar sind und alles ganz schnell gehen muss, wird es immer schwieriger, Zeit nur für das Musikmachen und Komponieren zu finden. Natürlich sind wir heute alle besser vernetzt, was auch für Musiker praktisch ist. Aber es passiert schnell, sodass man durchs Organisieren und Kommunizieren über diverse Ebenen den Blick für das Wesentliche verliert, nämlich die Musik an sich. Das darf nicht sein, daher schaffe ich mir - so gut es geht - zwischen Tourneen und Interviews immer wieder Perioden, in denen ich für mich bin und kreativ arbeiten kann.

Wo und wie haben Sie das erste Mal vom stART-Programm bzw. der stARTacademy erfahren?
Vor einigen Jahren hat mir ein Musikerkollege davon erzählt. Kürzlich traf ich dann Carolin Sturm, die Musikreferentin von Bayer Kultur, und diese legte mir stART ans Herz. Schön finde ich hierbei, wie sehr sie hinter der Sache steht und es ihr wichtig ist, junge Musiker zu fördern.

Welche Erwartungen haben Sie an das stART-Programm von Bayer Kultur?
Eine erfolgreiche Musikerkarriere besteht zu 20% aus Musik und zu 80% aus Management. Irgendwann habe ich verstanden, dass ich das alles erstens nicht alleine machen kann und es zweitens Leute gibt, die die Managementaufgaben viel besser als ich erledigen können. Ein gutes Team ist nötig, damit ich mich ganz auf meine Musik konzentrieren kann. Inzwischen darf ich mit super Leuten zusammenarbeiten, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich erhoffe mir eine für beide Seiten fruchtbare Kooperation mit Bayer Kultur.

Die stART-Künstler werden ganz individuell ausgesucht. Man kann sich nicht dafür bewerben. Was haben Sie als erstes gedacht, als die Auswahl auf Sie gefallen ist und wir Kontakt aufgenommen haben?
Ich habe mich sehr gefreut, denn bei solchen Entscheidungsprozessen vertraue ich immer ganz meinem Bauchgefühl. Wichtig sind mir bei einer Zusammenarbeit immer die Menschen, die hinter einer Sache stehen, und dass diese genauso sehr für die Sache brennen, wie ich für die Musik. Die Leidenschaft von Carolin Sturm für dieses Programm war deutlich spürbar und hat mich beeindruckt. Kultur ist sehr wichtig für eine funktionierende Gesellschaft.


Wir danken Alexej Geraassimez für das Interview und freuen uns auf eine spannende Zusammenarbeit mit ihm! Wer mehr über ihn erfahren möchte, kann einen Blick auf seine Website werfen: alexejgerassimez.de


Foto: Nikolaj Lund