BEHIND THE SCENES | MUSIK

Praktikantin im Musikreferat bei Bayer Kultur

Was hinter den Kulissen passiert...

Seit dem 8. Januar bin ich Praktikantin im Musikreferat von Bayer Kultur. Hier unterstütze ich Musikreferentin Carolin Sturm vor allem bei den Vorbereitungen für die neue Spielzeit, aber beschäftige mich auch mit den aktuellen Veranstaltungen. Vor meinem Praktikum bei Bayer Kultur habe ich im Frühjahr 2017 meinen Bachelorabschluss in „Commercial Music Performance“ in London gemacht. Während meines Studiums habe ich bereits erste Erfahrungen im Bereich Musikjournalismus gesammelt und wusste: hier möchte ich gerne noch mehr Praxis erlangen. Nach ein paar Recherchen bin ich auf Bayer Kultur und das umfangreiche Kulturangebot gestoßen, das nicht nur Musik, sondern auch Tanz, Kunst und Theater beinhaltet. Der Wunsch, in dieser Abteilung ein Praktikum zu absolvieren, wurde noch größer, als ich schließlich das erste Mal im Großen Saal des Erholungshauses in einer Vorstellung saß.

Wie entsteht ein neuer Spielplan?
Als ich Anfang des Jahres mein Praktikum begonnen habe, steckte das Team schon in den Vorbereitungen für den Spielplan und das Magazin der Saison 18/19. Der Spielplan ist die Programmübersicht, die alle wichtigen Informationen zu den Veranstaltungen im Erholungshaus beinhaltet. Im Magazin findet man zusätzlich interessante Hintergrundinformationen und Interviews mit den Künstlern, Ensembles und Mitwirkenden. So hieß es für mich erst einmal, möglichst viele Texte hierfür, aber auch für die Website zu schreiben. Trotz meiner eher geringen Erfahrungen im Bereich der klassischen Musik hat mir diese Aufgabe unglaublich viel Spaß gemacht, da ich gerne journalistisch arbeite.
Weil man für einen guten Text natürlich auch ein begleitendes Foto benötigt, habe ich parallel die Bilder bei Agenturen und Künstlern angefragt, die wir im Heft, aber auch auf unserer Website veröffentlichen möchten. So ist mit den Texten, Bildern, Zustimmungserklärungen und Copyrights einiges an Material zusammengekommen, das von unserem PR- und Marketingteam weiter bearbeitet wurde. Neben dem Korrekturlesen des Spielplans haben wir auch immer wieder Termine, Uhrzeiten und Preise abgeglichen, da sich diese im Laufe der Spielplanerstellung immer noch mal ändern können und am Ende natürlich alles passen soll.
Einige Korrekturschleifen sind durchlaufen worden, bis die finale Version des Magazins fertig war, die Sie, liebes Publikum, ab Mitte Mai in den Händen halten können.

Mein Highlight in der kommenden Spielzeit
Die Veranstaltung „I Believe – A Holocaust Oratorio“, die in der kommenden Spielzeit bei Bayer Kultur stattfinden wird, ist für mich direkt herausgestochen. Das Thema und die Handlung des Stücks beeindrucken mich sehr, aber auch die Musik und der Umfang des Sinfoniekonzerts mit mehreren Chören, Solisten und einem Orchester sind etwas Besonderes. Dieses Konzert fasziniert mich, da es keinem bestimmten Stil zuzuordnen ist. So fließen hier Elemente aus Klassik, Jazz aber auch des Musicals ein. Zane Zalis, der Komponist des Werkes, hat sich ganz bewusst entschieden, ein großes Publikum anzusprechen und setzt speziell auf junge Stimmen, um das Stück und die Thematik auch Jugendlichen näher zu bringen. Das finde ich sehr wichtig und einzigartig umgesetzt. Mit dem begleitenden Text für „I Believe“ habe ich mich am stärksten auseinandergesetzt, da es eine der musikalischen „Key-Veranstaltungen“ in der neuen Spielzeit sein wird und den Holocaust thematisiert. Auf organisatorischer Seite ist „I Believe“ ein sehr großes Projekt, denn hier werden mehre Verträge ausgestellt, Partituren benötigt, und auch die Reise und Unterbringung der Chöre und Solisten muss organisiert werden.

Die laufende Spielzeit 17/18
Die aktuelle Spielzeit darf bei all den Vorbereitungen natürlich nicht aus den Augen verloren gehen. Neben Künstler-Caterings, die wir „backstage“ für die Solisten und Orchestermitglieder organisieren, geht es zum Beispiel um ausstehende Verträge, die abgeschlossen werden müssen. Weitere Dokumente, die den Vertragsablauf beeinflussen, müssen zusätzlich bei den Agenturen und Künstlern angefragt und eingeholt werden. Auch das war für mich ein spannendes Gebiet, da jeder Vertrag, genau wie jeder Künstler, anders ist. Beispielsweise unterscheidet sich der Vertrag eines Jazz-Ensembles von dem eines großen Orchesters, da die technischen Anforderungen und der Umfang der Veranstaltung ganz unterschiedlich sind.
Zwischendurch war ich selber Zuschauerin, indem ich einige Vorstellungen besucht habe. Mein Highlight dieser Spielzeit war das Konzert von Tzimon Barto in der Historischen Stadthalle Wuppertal (Bayer Kultur kooperiert mit dem Standort Wuppertal, an dem – wie im Erholungshaus – der Klavierzyklus stattfindet.). Neben der beeindruckend schönen Architektur des Gebäudes hat mich die Interpretationsfähigkeit dieses wirklich außergewöhnlichen Pianisten fasziniert. Tzimon Barto ist für den ursprünglich gebuchten Till Fellner eingesprungen, der gesundheitsbedingt einige Termine absagen musste. Und so habe ich gelernt, dass auch Absagen von Künstlern oder sogar Änderungen ganzer Konzerte in diesem Business vorkommen können. Das bedeutet, schnell und flexibel handeln zu können, da auf die Schnelle neue Programme und Verträge ausgehandelt, Informationen an die Presse verschickt und die Besucher informiert werden müssen. Zum Glück steht man nicht alleine da, denn es gibt ja auch immer noch die Künstleragentur, die dafür zuständig ist, einen neuen Künstler vorzuschlagen und sich darum zu kümmern, dass der Abend trotzdem stattfinden kann. Die Herausforderung ist, sich mit dieser auf ein neues Programm zu einigen, das im besten Fall dem Publikum zusagt, zum Künstler passt und in den inhaltlichen Rahmen der aktuellen Spielzeit integriert werden kann.

„Für ein breitgefächertes Kulturangebot muss man nicht in die Großstadt fahren.“
Mein Praktikum geht noch bis Anfang Juli, aber ich kann schon jetzt sagen, dass ich viel über den Kulturbereich der Bayer AG gelernt habe und einige wichtige Kenntnisse und Erfahrungen mit auf meinen weiteren Berufsweg nehme. Ich bin dankbar dafür, dass mir so viel Verantwortung hinsichtlich des Spielplans übertragen wurde, ich aber auch einen guten Einblick in die organisatorische Arbeit bekommen habe. Es ist spannend zu sehen, dass ein großer Chemiekonzern wie die Bayer AG Kultur unterstützt (und das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit 111 Jahren!) und verschiedene Programme, wie zum Beispiel die stARTacademy, ins Leben ruft. Letzteres ist ein Förderprogramm für talentierte Nachwuchskünstler. Kulturförderung ist durch die immer kleiner werdenden Personaldecken meiner Meinung nach wichtiger denn je, und das Erholungshaus zeigt deutlich: Für ein breitgefächertes Kulturangebot muss man nicht immer in die Großstadt fahren. Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team von Bayer Kultur ist jeden Tag auf’s Neue spannend und vielseitig - so bekomme ich stetig mit, was hier hinter den Kulissen passiert.