Spielzeit 2017/18

KUNST

Besondere Blicke auf die Welt

Andrea Peters

Andrea Peters | Referat KUNST

Sinnlich und opulent empfangen die Fotografien von Vera Mercer unsere Besucher des Erholungshauses zur neuen Spielzeit. Ihre großformatigen Stillleben komponiert die Künstlerin aus den klassischen Accessoires des Genres: spiegelnde Gläser, leuchtende Blumen, glänzende Schalen, Kerzen, Wildbret und Fisch, Gemüse und Früchte verbinden sich zu Bildern der „Nature Mort“. Lustvoll sinnliche Fülle und Stofflichkeit in barocker Pracht verbindet sich mit irritierender Realistik und Momenten der Vergänglichkeit.
Vera Mercer steht mit ihrem Ansatz jenseits fotografischer Moden. Ihr Zugang zur Fotografie erfolgte nicht über eine klassische Ausbildung, sondern ergab sich aus den Lebenslinien. Diese Vita ist sehr charakteristisch für Künstlerinnen ihrer Generation, so dass wir mit Vera Mercer nicht nur eine großartige Fotografin vorstellen, sondern auch eine exemplarische Künstlerin im Kontext unseres Rahmenthemas: Frauen.
Geboren 1936 in Berlin als Tochter des bekannten Berliner Bühnenbildners Franz Mertz beschreibt Vera Mercer im Rückblick den Einfluss dieser Umgebung für ihr Werk als prägend. Sie ging jung verheiratet mit dem Theaterassistenten Daniel Spoerri nach Paris, wo die beiden rasch zur Künstleravantgarde „Nouveaux Realistes“ gehörten. Vera Mercers Rolle war zunächst eher unterstützend; sie porträtierte Marcel Duchamp und Robert Filliou, Niki de Saint-Phalle, Jean Tinguely und Spoerri und fotografierte deren Kunstwerke. Erst nach dem Ende der Ehe fand zu Ihrer eigenen künstlerischen Arbeit mit großen Bildtableaus für Gebäude und ihren unverwechselbaren Stillleben.

Max Scheler, dem wir die zweite Ausstellung der Spielzeit widmen, wurde 1928 als Sohn des gleichnamigen Philosophen in Köln geboren. Er gehört zu den wichtigsten Bildjournalisten der jungen deutschen Fotoszene der Nachkriegszeit. Die Ausstellung Von Konrad A. bis Jackie O. zeigt einen Querschnitt aus seinem bildjournalistischen Werk der 1950er- und 1960er-Jahre, wobei drei repräsentative Schauplätze der Geschichte ausgewählt wurden, die noch heute unsere Gegenwart bestimmen: Deutschland, die USA und China. In der Ausstellung sieht man das deutsche Wirtschaftswunder und die Teilung des Landes, den ideologischen Umbruch und den Mao-Kult in China und eine höchst widersprüchliche „Neue Welt“ - die USA der Nachkriegszeit. Max Schelers vielschichtige Bilder aus den 1950er- und 1960er-Jahren zeigen ebenso historische Ereignisse und bekannte Persönlichkeiten wie ganz alltägliche Momente des Lebens. Es ist ein außerordentlicher Gewinn, dass wir in Leverkusen diese Ausstellung präsentieren können, die mit großer Beachtung bereits in den Hamburger Deichtorhallen und im Martin Gropius Bau Berlin gezeigt wurde.

Damit runden wir unser Jahr zu Positionen der Fotografie ab und haben mit Achim Lippoth (Spielzeit 2016/17), Vera Mercer und Max Scheler einen Einblick in die künstlerischen Möglichkeiten und die Vielfalt des Mediums gegeben, das sich unbestritten als eines der wichtigsten Bildmedien der zeitgenössischen Kunst emanzipiert hat.

Selbstverständlich ist auch in dieser Spielzeit unsere dritte Ausstellung wieder der ganz jungen Kunst gewidmet. In unserer Reihe Kunsthochschulen zu Gast konnten wir die Kunsthochschule Berlin Weißensee, eine der interessantesten und beachtesten Hochschulen der Bundesrepublik, für einen Besuch gewinnen. Professor Friederike Feldmann lehrt seit 2012 an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und wird 2018 mit Studierenden aus Berlin das Erholungshaus bespielen. Arbeiten aus den verschiedenen Bereichen der Kunsthochschule Weißensee werden präsentiert, wobei als besonderes Highlight Positionen zur Wandmalerei geplant sind, die für das Erholungshaus konzipiert und in situ erarbeitet werden. Wir können also sehr gespannt sein auf ganz aktuelle Werke und die völlig neue Sicht auf die bekannten Räume.

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