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Foto: Falk Wenzel

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts

Theater

von Florian Illies
in einer Stückfassung von Christoph Werner
Bühnen Halle

Regie: Christoph Werner
Dramaturgie, Regieassistenz: Bernhild Bense
Bühne, Kostüme: Angela Baumgart
Puppen: Louise Nowitzki
Musik: Sebastian Herzfeld
Mit: Louise Nowitzki. Franziska Rattay, Ivana Sajevic, Nico Parisius, Christian Sengewald

Preise: 28 Euro | 26 Euro | 20 Euro

Bevor das zwanzigste Jahrhundert in den ersten industriellen Weltkrieg der Geschichte mündete, ruhte es sich in einem langen Sommer aus. Als diesen bezeichnet der Schriftsteller Florian Illies das Jahr 1913 in seinem gleichnamigen Buch. Monat für Monat blättert er den Kalender auf und enthüllt das gesellschaftliche Leben eines widersprüchlichen Jahres zwischen zwei Epochen: Hitler und Stalin könnten im Park von Schönbrunn aneinander vorbeigelaufen sein. Oskar Kokoschka liebt Alma Mahler, die ihn nur erhören will, wenn er ein Meisterwerk schafft. Franz Kafka wirbt um Felice Bauer und hat die größte Sorge, dass sie in die Heirat einwilligt. Sigmund Freud und Carl Gustav Jung verfeinden sich. Es begegnen uns Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, die Brüder Heinrich und Thomas Mann, Karl Kraus, Franz Werfel. Sozusagen das „Who-is-Who?“ der klassischen Moderne. Doch oftmals hatten die heute unbezahlbaren Künstler damals kaum das Geld, um ihre Miete zu begleichen...

Aus der Fülle an Materialien, Charakteren und Begegnungen destilliert dieser Abend Figuren und belebt Puppen in einer Séance, in der die Endlichkeit aufgehoben wird. Regisseur Christoph Werner hat einen Satz von Albert Einstein im Blick, der besagt, dass die gesamte Energie des Universums nicht ausreicht, um die Zeit auch nur um eine einzige Sekunde zurückzudrehen. Dem Theater immerhin gelingt bisweilen das Wunder eines Abends, an dem die Vergangenheit in die Gegenwart leuchtet. In Illies' Buch kommt der Weltkrieg höchstens als Vorahnung vor. Es ist fast so, als würde man in der „Gala“ von 1913 blättern und auf lauter kulturelle Ereignisse, Gossip und Zeitgeist stoßen. Gleichzeitig gibt es Momente von Katastrophensehnsucht und Katastrophenahnung – und das macht es als Spiegelbild für unsere Zeit so interessant.

In unserem Spielzeitmagazin erfahren Sie von dem Regisseur Christoph Werner, was ihn dazu bewogen hat, „1913“ zu inszenieren. Werfen Sie doch einfach einen Blick hinein!


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