10 Fragen an ...

Der Schauspieler Christoph Wehr

Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf/Ihrer heutigen Berufung gekommen?
Ich habe viel Verschiedenes im Theater ausprobiert, heute mache ich hauptsächlich (theater-)pädagogische Arbeiten. Auf das Theater bin ich gekommen, weil ich das SPIEL an sich liebe. Im Spiel werde ich frei und probiere meinen Körper und meinen Geist aus, ich suche nach Möglichkeiten, Wegen - und das zusammen mit anderen. Körperlich würde ich es mit Klettern vergleichen, psychisch gibt es eine Beziehung zum Träumen. Und da bin ich beim zweiten wesentlichen Punkt des Spiels angekommen, beim Umgang mit anderen Menschen. Spielen kann ich am besten mit anderen zusammen. Wir entwerfen Regeln, während wir spielen, wir verbinden uns, klettern, träumen und am Ende sitze ich erschöpft in der Ecke und überlege, wo ich gerade überall war. Spielen schult aber nicht nur das kognitive Bewusstsein, es stärkt die Affektivität, die Empathie und so nachhaltig das soziale Verhalten von uns. Also, es macht wahnsinnigen Spaß und hält mich in jeder Hinsicht beweglich.

Gibt es ein Projekt, das Sie gerne einmal umsetzten würden? Warum?
Was fasziniert Sie daran?
Die große gesellschaftspolitische Herausforderung unserer Zeit handelt meines Erachtens von den Begriffen Mitgefühl und Respekt, denen wir Raum und Aufmerksamkeit geben müssen. Wir sollten uns bewusst werden, dass die Gemeinschaft wichtiger ist als die Freiheit des Individuums. Ein Projekt zu diesem Thema möchte ich gerne umsetzen. Deutlich zeigt sich dieser Komplex z. B. im Umgang unserer Gesellschaft mit den Flüchtlingen, die nach Europa kommen. Hier spalten sich die Meinungen zwischen den Extremen auf, die Ablehnung oder die Angst vor den „Fremden“ äußert sich ebenso drastisch, wie das Mitleid mit den traumatisierten Kriegsflüchtlingen. Es scheint weder eine einfache, noch eine einheitliche Lösung im Umgang mit notleidenden Menschen zu geben. Unsere Kultur kennt aus der eigenen Geschichte diese Problematik, unsere Ethik, unsere Moral zeigt uns Richtlinien, aber wir handeln nicht danach. Es gibt hier offenbar ein gesellschaftliches Dilemma. Dieses Dilemma interessiert mich!

Bitte vollenden Sie den Satz: Kultur/Musik/Tanz/Theater/Kunst kann …
… mich vielgestaltig berühren.
… total langweilig sein.

Welcher ist für Sie der beste Ort, um kreativ zu sein?
Ein fremder Ort.

Gibt es in Ihren Augen das „perfekte Publikum“? Was macht es aus?
Perfektion beschreibt einen nicht weiter entwickelbaren Endpunkt, der im Grunde Stagnation bedeutet. Gibt es andrerseits denn den perfekten Künstler? Beide brauchen einander, und nur in der Verbindung entwickeln sie die notwendige Dynamik.

Haben Sie vor oder nach einem Auftritt bestimmte Rituale?
Kaum. Vorher gehe ich gerne noch mal aufs Klo.

Finden Sie kulturelles Engagement von Unternehmen wichtig?
Absolut!!! In einer Gesellschaft, die sich maßgeblich über ökonomische Leistungskraft und Effizienzsteigerung definiert, müssen die Akteure des ökonomischen Handelns, also auch die Privatunternehmen, ihre Verantwortung für ein gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins erkennen und sich entsprechend verhalten. Ein Unternehmen, das (sozio-)kulturelles Engagement verweigert, beweist seine gesellschaftliche Ignoranz. Unsere Gesellschaft kann sich einen kapitalistischen Tunnelblick nicht leisten, es sei denn, wir stellen unsere Moral auf den Kopf und erklären die Menschenverachtung als höchste moralische Richtlinie.

Wofür sind Sie dankbar?
Für die Möglichkeit mich mitteilen zu können (auch wenn ich nicht immer verstanden werde).

Haben Sie ein Lebensmotto/Lieblingszitat? Wenn ja – wie lautet es?
Alles Zweifelhafte muss angezweifelt werden.

Ihre Grüße an das Leverkusener Publikum lauten: …
… wir sehen uns!


Wir bedanken uns herzlich bei Christoph Wehr für die Beantwortung unserer Fragen! Wenn Sie ihn einmal live auf der Bühne erleben möchten, haben Sie am 9. November um 19.30 bei "Klamms Krieg" im Erholungshaus die Gelegenheit dazu.