Film
Spielzeit 2013/14

Trouvaillen im Kino

Das Spielzeitthema Trouvaillen führt im Rahmen der Kooperation im Kommunalen Kino zu einer Reflexion über Kompilationsfilme, über Found Footage, objets trouvé – gefundene Gegenstände mit der surrealistischen Weltsicht verknüpft und filmische Remakes. Zudem führt ein kleiner Exkurs über den Film Tote tragen keine Karos als genial gekonnte Kompilation zu verschiedenen Filmen der schwarzen Serie.
Die Termine zu den einzelnen Kinovorführungen werden ab Januar 2014 angegeben. 

In Kooperation mit dem Kommunalen Kino der VHS Leverkusen finden alle Veranstaltungen im Filmstudio im Forum statt.

Der Kompilationsfilm

Nacht und Nebel
Im Kino wird gefundenes oder vorgefundenes Material von Filmkünstlern bearbeitet, geschnitten oder umgeschnitten. Bei den Kompilationsfilmen waren die Russin Esfir Schub und Dziga Wertow in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts federführend. Später übernahmen andere Filmemacher diese Kunstform, um den Propagandafilm hoffähig zu machen.

Alain Resnais setzt in Nacht und Nebel, eine Reflexion über die zerfallenen Vernichtungslager des KZ Auschwitz-Birkenau aus dem Jahre 1955, der Farb- und Schwarzweißsequenzen kontrapunktisch gegeneinander. Der Zorn von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahre 1963 befasst sich mit dem Kommunismus und dem Antikommunismus.
Nuit et brouillard/Nacht und Nebel
Frankreich 1955 | Regie: Alain Resnais
Mein Kampf
Schweden 1959 | Regie: Erwin Leiser
La Rabbia – Der Zorn
Italien 1963 | Regie: Pier Paolo Pasolini
Der gewöhnliche Faschismus
UdSSR 1965 | Regie: Michail Romm
The Atomic Café
USA 1982 | Regie: Jayne Loader, Kevin Rafferty, Pierce Rafferty
Fitna
Niederlande 2008 | Regie: Geert Wilders

Found Footage Filme – auf gefundenem Material

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Blair Witch Project
Seit Ende der 90er Jahre ist eine neue Art von Filmen im Hollywood- Geschäft. Es handelt sich um die sogenannten Found Footage Filme. Das Hauptmerkmal der Streifen, die in diese Kategorie eingeordnet werden, ist, dass sie vorgeben, aus authentischem, „gefundenem“ Filmmaterial zu bestehen, das unter zumeist widrigen Umständen entstanden ist. Den großen Anfang machte 1999 der Gruselfilm Blair Witch Project. Es geht um drei im Wald verirrte und verwirrte junge Filmemacher. Die einfach mit der Hand- oder Handykamera gedrehten Filme stoßen beim Publikum auf große Beliebtheit. In der Regel sind sie vom Plot her unkompliziert und wirken aufgrund der Direktheit überaus authentisch, insofern kann man sich ohne weiteres mit den Charakteren identifizieren. Der Zuschauer wurde darüber hinaus im Unklaren gelassen, ob die ganze Handlung echt oder nur inszeniert ist. Das macht die Genialität dieser Filme aus, da sie einmalig und nicht ohne weiteres wiederholbar sind.
Blair Witch Project
USA 1998 | Regie: Daniel Myrick, Eduardo Sánchez
Apollo 18
USA 2011 | Regie: Gonzalo López-Gallego
Cloverfield
USA 2008 | Regie: Matt Reeves

Objet trouvé – Gefundenes

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Dieses obskure Objekt der BegierdeVergrößern
Dieses obskure Objekt der Begierde
Ein Objet trouvé aus dem Französischen steht für einen gefundenen Gegenstand. Es ist ein Kunstwerk, oder ein Teil eines Kunstwerks, das aus vorgefundenen Alltagsgegenständen oder Abfällen hergestellt wurde. Ready-mades werden sie genannt, wenn Künstler am vorgefundenen Objekt keine oder kaum Bearbeitungen vorgenommen haben und den Gegenstand also lediglich vorgefunden und präsentieren. Marcel Duchamp und Man Ray waren die Künstler, die sich mit diesen Gegenständen, die zu Kunst erklärt wurden, auseinander gesetzt haben. Diese Vorgehensweise wurde von den Surrealisten inspiriert, die begonnen hatten, sich mit den profanen Dingen des Lebens zu befassen. Luis Buñuel widmete sich in Zusammenarbeit mit Salvador Dalí bei Ein andalusischer Hund dem ersten anerkannt surrealistischen Film. Er zerstört die lineare Art der Erzählung, um den bürgerlichen Zuschauer zu irritieren und zu erschrecken. 1930 folgte Das goldene Zeitalter, der das Konzept durch Aspekte des Fetischismus erweiterte. Der Film führte bei seiner Uraufführung zu Protesten und wurde verboten. Mit diesem Film endete Buñuels surrealistische Schaffensperiode, obwohl er auch später, etwa in Die Milchstraße (1969), Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972) und Dieses obskure Objekt der Begierde (1977) surrealistische Elemente ein- setzte, um die lineare Erzählform ad absurdum zu führen. Jean Cocteaus Das Blut eines Dichters (1930) lebt von einer traumartigen Atmosphäre und an Surrealismus gemahnende Symbolik. Darauf folgen Alain Resnais Letztes Jahr in Marienbad (1961) und Alain Robbe-Grillets Der Mann, der lügt (1968). Der Einfluss des Surrealismus wirkt auch bei vielen zeitgenössischen Filmemachern fort. So finden sich sur realistische Motive unter anderem bei David Lynch mit Eraserhead (1977), David Cronenbergs Naked Lunch – Nackter Rausch (1991), Terry Gilliams Fear and Loathing in Las Vegas (1998), Paul Thomas Andersons Magnolia (1999) oder Gaspar Noés Enter the Void (2009).
Ein andalusischer Hund
Frankreich 1928 | Regie: Luis Buñuel
Das goldene Zeitalter
Frankreich 1930 | Regie: Luis Buñuel
Die Milchstrasse
Frankreich 1969 | Regie: Luis Buñuel
Der diskrete Charme der Bougeoisie
Frankreich 1972 | Regie: Luis Buñuel
Dieses obskure Objekt der Begierde
Frankreich 1977 | Regie: Luis Buñuel
Naked Lunch
Kanada 1991 | Regie: David Cronenberg
Fear and Loathing in Las Vegas
USA 1998 | Regie: Terry Gilliam
Enter the Void
Frankreich 2009 | Regie: Gaspar Noé

Remakes

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Der Himmel über Berlin
Ein Remake ist die „Neuverfilmung eines bereits verfilmten Stoffes“ oder aber auch eine Neuadaption. Dabei ist eine genaue Klassifizierung der einzelnen Filme relativ inkohärent. Ein Remake bezieht sich ausdrücklich auf einen bereits vorhandenen Stoff, der neu aufgearbeitet wird. Meistens geschieht das heutzutage in Hollywood.

Es wird von einem europäischen Film eine amerikanisierte Version hergestellt, das wird nötig, da die Akzeptanz der amerikanischen Zuschauer gegenüber Synchronisation und Untertitel sehr gering ist. Der Himmel über Berlin von Wim Wenders ist beispielsweise in der amerikanischen Version Stadt der Engel.
Der Himmel über Berlin
Deutschland 1987 | Regie: Wim Wenders
Stadt der Engel
USA 1998 | Regie: Brad Silberling

LOL (Laughing Out Loud)

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LOL
LOL: Laughing Out Loud
USA 2012 | Regie: Lisa Azuelos
The Tourist
USA/Frankreich 2010 | Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Capriccios

Carl Reiner hat Tote tragen keine Karos möglich gemacht, in dem er alte Originalfilmszenen mit neu gedrehtem Material mittels Schnitttechnik kombiniert hat – der Film musste demnach durchgehend in schwarz-weiß produziert werden. In Searching for Sugarman geht es um die erstaunliche Geschichte des amerikanischen Musikers Sixto Rodrigues, dessen Platten in Südafrika einen außerordentlichen Erfolg haben – ein Journalist setzt sich auf seine Spur und lüftet das Geheimnis um den genialen Musiker, der es durchaus mit Bob Dylan und anderen aufnehmen kann.
Tote tragen keine Karos
USA 1982 | Regie: Carl Reiner
Searching for Sugarman
Schweden 2012 | Regie: Malik Bendjelloul
Ute Mader
Kommunales Kino VHS Leverkusen
Forum
Am Büchelter Hof 9
51373 Leverkusen
Tel. 0214-4064184
Kasse: 0214-406 4113
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http://www.vhs-leverkusen.de/ 

In der Regel findet vor allen Filmvorführungen eine Einführung des Filmjournalisten Lutz Gräfe statt. 

EUR 5
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