Unternehmensarchiv
100 Jahre Bayer-Unternehmensarchiv

Schätze der Vergangenheit

100 Jahre Bayer-Unternehmensarchiv: Dokumente, Fotos, Filme, Werbemittel, Publikationen und andere wertvolle Zeugnisse werden dort gesichtet, ausgewertet und fachgerecht archiviert.
100 Jahre Bayer-Unternehmensarchiv: Dokumente, Fotos, Filme, Werbemittel, Publikationen und andere wertvolle Zeugnisse werden dort gesichtet, ausgewertet und fachgerecht archiviert.
Carl Duisberg konnte sich von keinem Notizzettel trennen. Was lag also näher, als ein Archiv zu gründen. Und das tat der erste Bayer-Generaldirektor vor genau 100 Jahren.
Der Anruf verschlägt Michael Pohlenz kurzfristig die Sprache. Normalerweise ist der Leiter des Unternehmensarchivs ein wandelndes Lexikon und kann die meisten Fragen rund um die Historie des Unternehmens aus dem Stegreif beantworten. Aber an diesem Tag im Frühjahr 1983 kommt der Anruf aus Wiesbaden, und am anderen Ende der Leitung ist ein Experte des Bundeskriminalamts: „Wurden im Zweiten Weltkrieg Papier-Weißmacher benutzt?“ Für eine Antwort muss sich Pohlenz intensiv mit alten Laborjournalen beschäftigen. Seine Recherchen ergeben eindeutig: Damals liefen nur Versuche, marktfähige Produkte gab es nicht.
Die Hüter der Vergangenheit in der historischen Apotheke des Unternehmens: Michael Frings, Hans-Hermann Pogarell, Rüdiger Borstel, Monika Gand und Michael Pohlenz (v. l.) sind gefragte Ansprechpartner in Sachen Bayer-Geschichte.
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Die Hüter der Vergangenheit in der historischen Apotheke des Unternehmens: Michael Frings, Hans-Hermann Pogarell, Rüdiger Borstel, Monika Gand und Michael Pohlenz (v. l.) sind gefragte Ansprechpartner in Sachen Bayer-Geschichte.
Diese Aussage hilft, einen der größten Skandale der Zeitungsgeschichte zu entlarven: Hitler hatte keine Tagebücher hinterlassen – das deutsche Magazin „stern“ war schlicht auf einen Betrüger hereingefallen. Der hatte die vermeintlichen Gedanken des Diktators auf Papier der Neuzeit niedergeschrieben – und das enthält Weißmacher.

Pohlenz erinnert sich nur zu gern an diese außergewöhnliche Anfrage, denn normalerweise sind die Fragen der Kunden nicht ganz so spektakulär. Was nicht heißt, dass sie weniger spannend sind. In welchem Jahr erschien die erste Ausgabe der „Bayer-Berichte“, der Vorläufer des Unternehmensmagazins „report“? (1958). Oder: In welchem Jahr verlangte die Butter-Lobby, dass Margarine blau eingefärbt wird? (1869). „Manchmal dauert es eine Weile, aber wir finden fast immer die Antwort“, sagt Historiker Pohlenz.

Bei dem Schatz, den die Archivare in einem schlichten Industriebau auf dem Bayer-Gelände in Köln-Flittard hüten, ist das auch kein Wunder. Insgesamt verwalten die fünf Experten 5.000 Regalmeter Material. Fein sortiert und katalogisiert lagern dort rund 40.000 Ordner mit über zehn Millionen Dokumenten. Hinzu kommen etwa 60.000 Fotos – die Hälfte davon digitalisiert – 4.000 Bücher, 1.500 Filme sowie 8.000 Exponate. „In 100 Jahren sammelt sich eine Menge an“, sagt Pohlenz. Immerhin hat nicht nur Carl Duisberg jeden Zettel aufgehoben.
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