TANZ
Spielzeit 2011/12

Referat Tanz

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Bettina Welzel | Referat TANZ
Glauben und Wissen – gibt es zwei andere Begriffe, die sich so aneinander reiben wie diese beiden? Über die Jahrhunderte haben sich immer wieder Theologen, Philosophen, Wissenschaftler und auch Künstler mit der Frage nach Abgrenzung und Gemeinsamkeiten auseinandergesetzt. Glauben ist eindeutig mehr als ein Synonym für Religion – gerade in der heutigen Zeit wird uns das immer wieder sehr deutlich vor Augen geführt. Im alltäglichen Sprachgebrauch beschreibt Glauben einen Zustand von Unsicherheit, bezogen auf Zustande, Tatsachen oder Zusammenhange. In solchem Glauben drucken sich Meinungen, Vermutungen, Annahmen, subjektive Wahrnehmungen aus. Wissen dagegen bezeichnet landläufig eine Gesamtheit an Informationen und ihrer verschiedensten Zusammenhange, eine Erkenntnis. Ist Glaube also irrationaler Gegenpol zum fest in Fakten verankerten Wissen? Wissen scheint das Sichere zu sein, Glauben die Annahme. Damit waren Glauben und Wissen unvereinbar. Schon Augustinus, einer der bedeutendsten Theologen und Philosophen der Spatantike, schrieb, dass jede Erkenntnis auf einem vorangegangenen Glauben beruhe: „Fides praecedat rationem.“ Es sind oft Annahmen, die den Ausgangspunkt wissenschaftlicher Forschung darstellen, die – im besten Fall – zu einer neuen Erkenntnis, einem neuen Wissen fuhren. Aber, kann man etwas glauben, ohne vorher ein Wissen über die Dinge erworben zu haben? Eine vorangegangene Erkenntnis scheint notwendig, um glauben zu können. Glauben und Wissen scheinen einander also zu bedürfen.

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Sed Lux Permanet
Der Spielplan TANZ ist, ebenso wie die anderen Sparten, in der Saison 2011/12 diesem unendlich erscheinenden Themenkomplex gewidmet. Die einzelnen Positionen verstehen sich als Denkanstöße, die den Betrachter dazu auffordern wollen, sich mit der dargestellten Form von Wirklichkeit auseinanderzusetzen, um im inneren Dialog mit dem Gesehenen einen eigenen Standpunkt zu finden, in Frage zu stellen, zu überdenken, zu festigen. Die Choreographen, Tänzer, Beleuchtungsdesigner und Komponisten, die unter anderem an der Erschaffung eines Stückes beteiligt sind, stellen jeweils ihre eigenen Annahmen und ihre eigenen Wirklichkeiten dar. Neben Soloabenden wird es Aufführungen mit großem Ensemble geben, neben Interpretationen, in denen es um die tänzerische Darstellung musikalischer Werke geht, gibt es Arbeiten, in denen der Glaube an die Bewegung, die Geste, den Tanz, am Anfang stand. Wie immer versuchen wir, einen Eindruck über die Lebendigkeit, Vielfältigkeit und Aktualität der Sparte TANZ zu vermitteln.

Für das Publikum von Bayer Kultur schon seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit, erscheinen in letzter Zeit auch in der Fachpresse immer wieder Artikel, die bestätigen, dass das Interesse für den zeitgenpössischen Tanz auch in der breiten Öffentlichkeit zugenommen hat. Dies lässt sich auch an der Neustrukturierung der tänzerischen Ausbildung an den Hochschulen ablesen. Eine der führenden Ausbildungsstatten in diesem Bereich bildet das Hochschul-übergreifende Zentrum Tanz (HZT) in Berlin, welches in Trägerschaft der Universität der Künste und der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ 2006 ins Leben gerufen wurde. Die bereits seit drei Jahren bestehende Kooperation zwischen Bayer Kultur und der Schauspielschule „Ernst Busch“ führt in dieser Spielzeit zu einer Uraufführung im Bereich TANZ. Auf Anregung von Bayer Kultur wird die junge finnische Choreographin Milla Koistinen eine abendfüllende Choreographie zum Spielzeitthema kreieren. Wir sind gespannt auf ihre Auseinandersetzung mit Glauben und Wissen.
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Bettina Welzel
Telefon 0214.30-41276
 
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