MUSIK
Spielzeit 2011/12

Referat Musik

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Carolin Sturm | Referat MUSIK
„Das Instrument Oud ist das schönste und wichtigste Instrument im Mittleren Osten. Die Araber sowie die Juden lieben und schätzen es gleichermaßen. Mit der Oud klingt die Zeit in ihrer eigenen, einzigartigen, grenzenlosen Form, wie die Wüste. So wie der Frieden, es braucht seine Zeit.“ Yair Dalal

Das zentrale Musikvorhaben in der Spielzeit 2011/12 zum Thema Glauben und Wissen ist zweifellos Israel in Egypt. Ausgehend von Georg Friedrich Handels berühmtem Oratorium wird in diesem Projekt eine archetypische Geschichte der Menschheit am Beispiel des Auszugs des israelitischen Volkes aus Ägypten erzahlt. Inhaltlich getragen wird sie durch die Vision des Respekts und friedlichen Miteinanders aller Volker, unabhängig welcher Kultur oder Religion sie auch angehören.

Bayer Kultur und l’arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt realisieren dieses aufwändige Konzert als Koproduktion mit den Internationalen Handelfestspielen Halle und dem Israel Festival in Jerusalem. Außerdem beteiligt sind der Tölzer Knabenchor und der – seit seiner Mitwirkung bei der Friedensnobelpreis-Verleihung an Simon Peres und Yassir Arafat – weltberühmte israelische Oud-Spieler und Geiger Yair Dalal. Zu seinem Ensemble gehören ein jüdischer Kantor und Musiker aus dem arabisch-muslimischen Kulturkreis. Der inhaltlich-konzeptionelle Ansatz spiegelt sich also auch in der Besetzung wider. Ein hoch ambitioniertes völkerverbindendes Projekt!

In der Festlichen Spielzeiteröffnung stellen wir unserer Saison gewissermaßen ein musikalisches Motto im Sinne des christlichen Glaubens voran. In unserem Eröffnungsprogramm fügen sich Glauben und Wissen zu dem zusammen, was man – nicht nur in religiöser Hinsicht – „Zuversicht“ nennen konnte. Christoph Graupner, ein Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs, verarbeitet in seiner Kantate Mein Herz schwimmt in Blut exakt dieses Glaubensmotiv – vom sündigen Dunkel gelangt der Mensch zum „freudigen“ Herz. Die Sopranistin Katja Stuber und l’arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt stellen dieser unbekannten Kantate bekannte Werke Johann Sebastian Bachs gegenüber. 

Dass auch in vielen anderen Programmen Glaubensaspekte eine große Rolle spielen, liegt angesichts unseres Themas auf der Hand. Ebenso, dass in diesem Kontext auch der Name Johann Sebastian Bach recht häufig auftaucht. Oft sind es aber weniger bekannte Stücke, wie z.B. die von Wilhelm Kempff arrangierten Klavierbearbeitungen berühmter Bach-Werke in Hardy Rittners Recital. Apropos Klavier! In unserem diesjährigen Zyklus, in dem wir Ihnen die interessantesten Pianistinnen und Pianisten der jüngeren Generation vorstellen werden, gibt es anlässlich seines 200. Geburtstags auch einen Liszt-Schwerpunkt. 

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Wie thematisiert man „Wissen“ in der Sprache der Musik? Anders als in Literatur, Film, Schauspiel oder Bildender Kunst verhalt sich die Fragestellung nach dem („exakten“) Wissen häufig querständig zur ästhetischen Qualität der Musik, egal, ob wir sie als „tonend bewegte Form“ auf die absolute Musik beziehen oder im Sinne eines eher hermeneutisch angelegten Rezeptionsansatzes verstehen. Die Frage nach dem „Wissen“ in der Musik beantworten wir daher sozusagen musiktheoretisch: Nach welchen Gesetzen ist sie aufgebaut? In einem – neben Bach und Liszt – dritten inhaltlichen Schwerpunkt stellen wir Ihnen daher Kompositionen der Zweiten Wiener Schule (Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern) sowie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Sofia Gubaidulina, Karlheinz Stockhausen und Heinz Holliger) vor. Besonders interessant sind dabei wieder die Programmkonzepte unserer stART-Kunstler. Hardy Rittner wird – kontrastiert von Sofia Gubaidulinas Concordanza – mit der Jenaer Philharmonie das exorbitant schwierige Klavierkonzert op. 42 von Arnold Schonberg aufführen und in seinem Klavierabend Johann Sebastian Bach und Arnold Schonberg direkt einander gegenüberstellen. Das Signum Quartett erreicht diesen spannungsreichen Gegensatz durch die Kombination von Schuberts Der Tod und das Mädchen und Anton Weberns Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9.

Gespannt sein darf man bei unserem stART-Quartett auch auf ein Franz-Kafka-Projekt mit dem wunderbaren Schauspieler und Sanger Dominique Horwitz. Exklusiv für Bayer Kultur wird dabei ein spannender musikalisch-literarischer Abend mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts entstehen, der im Bayer Kulturhaus seine Uraufführung erleben wird. Auch die anderen Abende in der Reihe Pasticcio haben ganz besondere inhaltliche Konzepte: Julia Kleiter und Christoph Pregardien stellen geistliche und weltliche Lieder von Hugo Wolf einander gegenüber, l’arte del mondo stellt mit Pasquale Anfossis La finta giardiniera die zweite Opernausgrabung in der Reihe Opern aus den Archiven der Welt vor, und Ute Lemper präsentiert Songs, Chansons und Lieder von Kurt Weill, Edith Piaf, Jacques Brel und Astor Piazolla. Zahlreiche weitere hochkarätige Ensembles, Solisten und Dirigenten warten mit außergewöhnlichen Programmen auf.

Der Jazz hat sich in unserem Programm mittlerweile wieder fest etabliert. Die zahlreichen Konzertangebote für Kinder und Jugendliche liegen Bayer Kultur ganz besonders am Herzen. Dass sich unsere stART-Künstler und l’arte del mondo auch bei Mitmachen! mit eigenen Projekten einbringen, verleiht unserem education-Programm eine sehr individuelle Note.

Insgesamt: Eine Musiksaison mit vielen außergewöhnlichen Programmkonzepten, vielen jungen Künstlern und ebenso vielen Künstlern von internationalem Rang!
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