Spielzeit 2009/10
Referat Kunst
Das Thema Kunst und Macht lässt sich in der Kunstgeschichtsschreibung durch alle Epochen hindurch auf vielfältige Weise nachvollziehen. Mit Kunst wurde Macht demonstriert, Kunst wurde durch Macht instrumentalisiert und Kunst übte nicht zuletzt selbst auch Macht aus. Die Beziehung von Bildender Kunst und Macht im 20. Jahrhundert steht im Blickpunkt der Kunstausstellungen dieser Spielzeit.
![]() |
| Rike Zoebelein Referat Kunst |
Die erste Ausstellung blickt in die noch junge deutsch-deutsche Geschichte: die Fotoausstellung Die sich die Freiheit nahmen zeigt berühmte Literaten im Exil, die der Publizist Jürgen Serke für seine stern-Reportagen aufgesucht hat. Als Ernst Barlach 1937 formulierte „ich bin im Vaterland zu einer Art von Emigrantendasein genötigt“, wusste er, dass die Alternative hierzu die Haft im KZ war. Künstler, denen ein vergleichbares Schicksal drohte, weil sie ihre Kunst nicht in den Dienst des menschenverachtenden NS-Systems stellten, werden in der Ausstellung Meisterliche Grafik verbotener Künstler vorgestellt.
Die Künstler, die noch die Wahl hatten, verließen das Land, wie auch der jüdische Architekt und Fotograf Andreas Feininger, dem die RetrospektiveAndreas Feininger – That´s Photography gewidmet ist. Der Sohn des Malers Lyonel Feininger – in Paris geboren, in Deutschland aufgewachsen, 1933 vor die Grenze gesetzt – emigrierte nach Schweden, das er 1939 wieder verlassen musste. Als „Exilant ohne Heimatgefühl“ wanderte er nach Amerika aus und wurde dort einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.
Mit Kunsthochschulen zu Gast initiieren wir im Rahmen unseres stART-Projekts eine Ausstellungsreihe, die den Nachwuchs deutscher Kunsthochschulen im Fokus hat. In loser Folge wird Studierenden bekannter Hochschulen die Möglichkeit geboten, im Erholungshaus eine Schau mit ihren aktuellen Werken zu präsentieren. Den Anfang macht die traditionsreiche Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale, deren Geschichte durch zwei totalitäre Regime des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Heute ist die Burg eine moderne Kunst- und Designhochschule mit universitärem Status und großem kreativen und innovativen Potential.
Alle vier Ausstellungseröffnungen werden musikalisch umrahmt von jungen Musikern des Pre-College-Cologne. Das 2005 gegründete Ausbildungszentrum an der Hochschule für Musik Köln unter der Leitung von Ute Hasenauer fördert musikalisch hochbegabte Kinder ab 10 Jahren. Das differenzierte Aufnahmeverfahren erfasst Begabungsschwerpunkte und ermöglicht eine weitgehend individuelle Betreuung an der Hochschule. Die Kinder studieren am Wochenende, können sich erfolgreich bestandene Prüfungen für das spätere Studium anrechnen lassen und nehmen an kulturorientierten Freizeitprogrammen teil. So werden die zukünftigen Künstler optimal gefördert und auf die Ansprüche des späteren Berufslebens vor bereitet.
Alle vier Ausstellungen stehen im Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart: Die Kunstsaison beginnt mit einem Blick zurück und schließt im Hier und Jetzt mit jungen Künstlern ab. Die Pre-College-Musiker und die Studenten der Burg Giebichenstein setzen bewusst einen jungen Gegenakzent. Als Künstler, die in Freiheit und Toleranz aufwachsen und arbeiten dürfen, sind sie Ausdruck der Werte und Hoffnungen, denen unsere gegenwärtige Gesellschaft verpflichtet ist.

Einführung
KUNST
Bayer Links

zum Progammangebot
Seite bookmarken
Seite weiterempfehlen
Erweiterte Suche

