Im Fokus
Barbara Heuberger über den "Sommernachtstraum" des Salzburger Marionettentheaters

Auch für Freunde des Regietheaters eine neue Sicht

Das Salzburger Marionettentheater ist älter als die Salzburger Festspiele. 1913 gab das Theater, das heute vor allem wegen seiner entzückenden Inszenierungen von Mozartopern bekannt ist, seine erste Vorstellung. Im Erholungshaus lassen die Salzburger zwischen dem 16. und dem 18. Januar die Puppen tanzen und zeigen Shakespeares "Sommernachtstraum" in einer Version für Erwachsene und einer für Kinder. Die Bayer Kulturabteilung sprach mit Barbara Heuberger, Geschäftsführerin des Salzburger Marionettentheaters.
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Das Salzburger MarionettentheaterVergrößern
Das Salzburger Marionettentheater
Frau Heuberger, Ihr Theater ist vor allem für seine Operninszenierungen bekannt.
Das stimmt. Dabei haben wir erst in den 1950er Jahren damit angefangen, Opern – vor allem von Mozart – in unser Repertoire aufzunehmen. Erst die Tonbandtechnik, die wir auf einer Tournee nach Holland 1950 kennenlernten, hat uns diese wunderbare Möglichkeit eröffnet, so dass wir unser Repertoire auf große Oper, Operetten und sogar Ballett ausgedehnt haben.

Vorher gab es keine Musik?
Doch. Unsere erste Produktion aus dem Jahre 1913 war die kleine Mozartoper „Bastien und Bastienne“. Das war allerdings ein riesiger Aufwand. Die Sänger standen zusammen mit einem kleinen Orchester – bestehend aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello – hinter der Bühne, wo auch die Marionettenspieler ihren Platz haben. Die Koordination zwischen Musikern und Spielern lief über Spiegel. Es war ein rasender Aufwand, vor allem auch für Tourneen.

Shakespeares „Sommernachtstraum“, den Sie in Leverkusen zeigen, ist das einzige Sprechtheater-Stück, das Sie derzeit im Repertoire haben.
Allerdings bringen wir es ja mit der wunderbaren Musik von Mendelssohn, die wir von dem Berliner Komponisten Franz-Josef Grümmer haben ergänzen lassen, auf die Bühne. Es tut den Marionetten auch bei einem Sprechstück gut, Musik zu haben, auf der sie agieren können.

Es gibt in Ihrem Theater sogar einen Choreographen für die Puppen.

Ja, wobei Sie sich das jetzt nicht so vorstellen dürfen, dass da richtige Tanzeinlagen geboten werden. Das so hinzubekommen, dass es natürlich aussieht, ist doch eine äußerst schwierige Übung. Man muss sehr aufpassen, dass es für das Publikum nicht langweilig wird.

Ihre Inszenierungen haben den Anspruch, dass die Puppen sich möglichst menschenähnlich bewegen.

Absolut, wobei man sich schon in der Karikatur bewegt. Wir können als Puppe einen Pantalone oder einen Papageno genau so auf die Bühne bringen, wie man ihn sich vorstellt. Wir kreieren gewissermaßen Idealfiguren. Bei uns gibt es nie den Widerspruch, dass wir einen dicken Sänger mit wunderschöner Stimme auf der Bühne haben. (lacht)

Apropos Stimme. Für Opern wählen Sie immer hochkarätige Gesamteinspielungen als „Soundtrack“. Welche Aufnahme ist die Grundlage für Ihren „Sommernachtstraum“?

Wir haben eigens im Studio eine Aufnahme mit jungen Berliner Schauspielern anfertigen lassen. Das war nötig, um unsere Vorstellung von Fassung und Übersetzung umzusetzen.

Sie haben zwei Versionen des Stückes.

In der Version für Erwachsene dauert unser „Sommernachtstraum“ 2 Stunden und 15 Minuten. Für die Kleinen haben wir das Stück um die Liebesgeschichte gekürzt. Die Handlung spielt dann hauptsächlich im Zauberwald, was für die Kinder interessanter und verständlicher ist, als die Liebeswirrungen der beiden Paare. In dieser Version dauert das Stück 1 Stunde und 10 Minuten.

Hinrich Horstkotte hat Regie geführt...

…und eine ganz wundervolle Arbeit gemacht. Horstkotte ist ein absoluter Allrounder. Er hat die Puppen entworfen, gezeichnet, bemalt, die Ausstattung geplant, die Aufnahme geleitet und rundum mitgearbeitet. Von A bis Z.

Was reizt einen Regisseur daran, für Sie zu arbeiten? Ihre Inszenierungen sind – ganz wertfrei – im besten Sinne traditionell.

Was ein Regisseur mit unseren Marionetten machen kann, geht an einem großen Haus mit menschlichen Schauspielern nicht. Bei uns kann er den Schauspieler nicht nur anleiten, sondern komplett erfinden. Auf der einen Seite hat er die Begrenzung der Puppe, auf der anderen Seite kann er sehr viel mehr machen: Fliegen, Verwandlungen, einen Schauspieler zerteilen – all das ist kein Problem. Da kann ein Regisseur seiner Phantasie freien Lauf lassen.

Horstkottes Inszenierung nimmt die Symbolhaftigkeit des Mythologischen ernst.

Im "Sommernachtstraum" gibt es wahnsinnig viele Symbole, die wir ganz konkret zeigen können. Damit haben wir die Möglichkeit, eventuell auch Freunden des Regietheaters eine neue Sicht auf das Stück zu eröffnen. Denn explizite Inszenierungen sind im Moment selten geworden. Und bei einem Puppentheater hat das natürlich einen ganz besonderen Reiz.

Sie waren schon öfter Gast der Bayer Kulturabteilung.

Ja, und ich bin wirklich begeistert zu sehen, wie lange Bayer schon Kultur macht. Ich finde diese Tradition mit ihrer Vielfalt, die auch in Ihrem hundertsten Geburtstag zum Ausdruck kommt, faszinierend. Eine solche Beziehung zwischen Kunst und Wirtschaft ist einfach etwas Wunderbares.
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