Im Gespräch mit Heinz Spoerli
„Es geht nicht um mein Ego“
Am 29. Februar war das Zürich Ballett mit einem besonderen Programm in Leverkusen zu sehen. Gezeigt wurden vier Arbeiten unterschiedlicher Choreographen. Ballettdirektor Heinz Spoerli hat die Compagnie in den letzten 12 Jahren zu einem der bedeutendsten Ensembles in Mitteleuropa gemacht. Die Bayer Kulturabteilung sprach im Vorfeld mit dem Basler, der lange Zeit in Nordrheinwestfalen gearbeitet hat.
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Das stimmt. Als ich noch an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf engagiert war, bin ich oft zu Gast in Leverkusen gewesen und war auch schon mit dem Zürcher Ballett bei Ihnen.
Wir feiern dieses Jahr „Ein Jahrhundert Bayer.Kultur“. Seit einhundert Jahren macht das Unternehmen Bayer Kulturarbeit.
Ich kenne Ihre Arbeit sehr gut. In dieser Form ist das meines Wissens einmalig, und ich finde das wirklich großartig.
Umso mehr freut es uns, dass sie unsere Jubiläums-Saison mitgestalten – und zwar mit einem ganz besonderen Ballett-Abend.
Das stimmt. Ich stelle vier Arbeiten unterschiedlicher Choreographen vor: „Le souffle d’esprit“ von Jiří Bubeníček, „Road B“ von Felipe Portugal, „Before Nightfall“ von Nils Christe und dann meine eigene Arbeit „Primetime“. Es ist enorm wichtig, dass man jungen Leuten eine Plattform bietet.
Nachwuchsförderung ist ja auch ein erklärtes Anliegen der Bayer Kulturabteilung.
Nachwuchsförderung ist von zentraler Bedeutung. Daran habe ich immer gearbeitet und tue es, so oft es möglich ist. Schließlich geht es ja um die Zukunft des Tanzes. Aber das eben Gesagte gilt natürlich nicht nur für den Tanz, sondern umfasst alle Bereiche des Lebens und der Gesellschaft.
Macht es Ihnen also nichts aus, neben anderen Choreographen auf der Bühne zu stehen?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich im Gegenteil dazu verpflichtet, jungen Talenten eine Plattform zu bieten. Das ist Teil meiner Verantwortung. Und Konkurrenz spornt an. Das ist nicht problematisch für mich. Ich mache diesen Beruf ja, weil ich ihn liebe. Es geht nicht um mein Ego.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Choreographien zusammengestellt?
Es war mir wichtig, dass sie zusammen ein rundes Programm ergeben. Gleichzeitig muss es auf die jeweilige Bühne mit ihren Bedingungen passen und vor allem auch das Publikum interessieren. Es muss technisch und dramaturgisch sinnvoll sein. Wir zeigen im Grunde einen Überblick über den zeitgenössischen Tanz. Das ist wahnsinnig spannend.
An was für Projekten arbeitet Heinz Spoerli derzeit?
Im Frühling werde ich an einem Bach-Projekt arbeiten und dann auch einmal an etwas Klassischem: „Sylphide“. Man muss dem Publikum zwischendurch auch einmal Zucker geben. (lacht) Im Sommer mache ich dann Oper, nämlich eine Choreographie für „Idomeneo“. Das Ballett wird in dieser Mozartoperr meist ausgelassen. Aber Harnoncourt möchte es unbedingt mit hineinnehmen und das finde ich sehr schön.
Aber es wird keine Tanzoper…?
Nein, wobei es solche Versuche ja in letzter Zeit gegeben hat. Ich halte dies jedoch für schwierig. 2003 habe ich in Zürich „Les Indes galantes“ von Rameau inszeniert. Das war aber kein reines Tanzprojekt. Ich habe wirklich beides, nämlich Choreographie und Inszenierung erarbeitet.
In der kommenden Spielzeit ist Rameau auch ein großes Thema für die Bayer.Kultur. Seine Klaviermusik wird ein wichtiger Schwerpunkt.
Das finde ich sehr gut. Lange wurde dieser Komponist vernachlässigt.
Für Ihre Arbeit ist ja die klassische Formensprache enorm wichtig. Sie erweitern die Ausdrucksformen, bleiben aber dem einmal gefundenen Schönheitsideal treu. Gilt das auch für Ihre Schüler?
Ja und ich versuche sie darin zu bestärken und weiterzubringen. Tradition und Innovation sind gleichermaßen wichtig. Beide sind notwendig, um den Tanz lebendig zu halten.
Der große französische Choreograph Maurice Béjart hat einmal gesagt, der Tanz sei die Kunst des 20. Jahrhunderts. Gilt das auch für das 21. Jahrhundert?
Ich glaube, dass der Tanz sogar noch wichtiger geworden ist. Die Leute haben viel mehr Freizeit und viel mehr Menschen als früher tanzen auch. Deshalb ist es notwendig, dass man die Spitze des künstlerischen Tanzes weiterbringt und hochhält, damit man beides noch einander gegenüberstellen kann.


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