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Jubiläumsgedanken

Hundert Jahre Identität

Nikolas Kerkenrath, Leiter der Bayer Kulturabteilung, 1986 - 2008
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Nikolas Kerkenrath, Leiter der Bayer Kulturabteilung, 1986 - 2008
Das Konzept dieses Spielplans entwickelte sich ganz natürlich aus den Inhalten der vorigen Spielzeit "Ein Jahrhundert Bayer.Kultur". Der 100. Geburtstag unseres Erholungshauses ist der ergänzende Teil einer einzigartigen Kulturgeschichte: Dieses Haus ist von Anfang an Treffpunkt, Spielstätte und Symbol für eine Identifizierung mit einem unternehmerischen und einem gleichsam bürgerlichen Bewusstsein, das man heute auch mit "Corporate Identity" umschreibt. Allerdings hat dieser globale Begriffwenig mit jenem lokal-regionalen Humus zu tun, aus welchem kulturelle Gebilde und Werte entstehen und gedeihen.

Wenn man das Erholungshaus sieht, seine Mauern berührt, die Ankündigungen zu den Veranstaltungen liest - dann entsteht unmittelbar ein Gefühl von kultureller Identität und Heimat. Und diese implizieren immer jenen Aspekt, den die Bayer-Kultur von Anfang zur Dramaturgie erklärt und sich ins Regiebuch geschrieben hat: die Bildung. Sie war und ist für uns Kulturmacher hier das verbindliche Fundament für alles Künstlerische. Heute ist es eine besondere Herausforderung, kulturelle Substanz von modernen Unterhaltungsmechanismen fernzuhalten - ohne dabei das Unterhaltende der Künste auszuschließen. Diesen Spagat streben wir Spielzeit für Spielzeit an und meistens gelingt er uns.

In der vergangenen Spielzeit kündigten wir eine "normale Saison" für 2008/09 an, mit einem großen Scheinwerfer auf den 100. Geburtstag des Bayer-Erholungshauses. In diesem Spielplan - den wir "Ein Kulturhaus wird hundert" nennen - sind die Veranstaltungen nicht untereinander vernetzt, es gibt keine thematische Fokussierung. Aber es gibt die deutlichen Hinweise auf das Besondere unseres Kulturhauses und auf die Möglichkeiten, diese auf hohem Niveau zu nutzen: Das sind die "Theatertreffen" aus NRW und Berlin, und damit verbunden das große Lob der Intendanten und Regisseure über die hohe Professionalität unserer technischen Mannschaft. Es sind die musikalischen Rendez-vous von Spitzeninterpreten, die die Akustik und Konzertatmosphäre des Hauses genauso lieben wie die entdeckte Nutzung für CD-Einspielungen. Das sind die Museen, Galerien und Kunstinstitute, die den Ausstellungsort Erholungshaus für besonders reizvoll halten, weil sich die verschiedensten Disziplinen dort treffen können. Es ist die Neugierde experimenteller Choreographen, die sich in der intimeren Atmosphäre von Erholungshausbühne und -saal besser zurechtfinden als auf einer zu großen Bühne. Das sind die lesenden und singenden Individualisten, die glücklich sind, dass sich Bühne und Zuschauerraum ihrer Kunst anpassen.

Für viele von ihnen ist das Erholungshaus oft ein Teil ihres künstlerischen Lebens. Nicht selten trifft zu, was Claus Peymann letztlich ins Gästebuch der Kulturabteilung schrieb: "Das Berliner Ensemble fühlt sich in Leverkusen wie zuhause, vielen Dank und alle guten Wünsche". Auf der Titelseite dieses Spielplans haben wir deshalb diese Verbeugung der Künste und der Künstler vor der hundertjährigen Geschichte unseres Erholungshauses und unserer Kulturarbeit allegorisch dargestellt!

Mit den Jubiläen 2007/08 und 2008/09 verabschiede ich mich nach 22 Jahren von der Kulturabteilung und vom Publikum. Das Kulturbewusstsein im Hause Bayer und das Vertrauen in mein Konzept haben es ermöglicht, dass der künstlerische Gedanke immer Priorität hatte. Deshalb Jubiläumsgedanken | Thoughts on a centenary Hundert Jahre Identität A hundred years of identity 9 *Spielplan_080508_teil1 08.05.2008 8:16 Uhr Seite 9 konnten große kulturelle Themen realisiert werden. Durch die Ausdehnung unserer Aktivitäten auf die anderen Bayer-Standorte in NRW und - punktuell und projektbezogen - durch die Kooperationen mit vielen Bayer-Niederlassungen in der Welt erhielt unsere Kulturarbeit noch mehr Profil und wurde zu einem willkommenen Imageträger. Die beiden Aussagen "Bayer, das ist auch Kultur" und "Wirtschaftsräume sind auch Kulturräume" spiegeln dies wider.

Ein besonderes Anliegen war mir in diesem Kontext der deutsch-französische Kulturdialog. Die Beziehung der beiden Länder hat eine lange wunderbare Geschichte, die glücklicherweise nach dem letzten Krieg fortgeschrieben wurde. Sie war der Start zum Neuaufbau Europas, nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum kulturellen. Mit dieser Ausrichtung sind wir hier in guter Gesellschaft: Einige Schulen in Leverkusen favorisieren die französische Sprache, die Stadt hat seit kurzem eine französische Partnerstadt, und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers misst der Beziehung zu Frankreich eine große Bedeutung zu. Wenn wir die Spielzeit 2008/09 mit "Bayer.Kultur bleu-blanc-rouge" eröffnen, krönen wir damit auch gleichzeitig eine zwanzigjährige Kooperation mit Bayer in Frankreich!

Herzlichen Dank sagen möchte ich nun allen, die mich auf diesem Kulturweg begleitet und mich in meiner Arbeit unterstützt haben: dem Unternehmen Bayer mit seinem weitsichtigen gesellschaftlichen Engagement, unserem anspruchsvollen und neugierigen Publikum, meinen kooperativen Partnern und Kollegen, und ganz besonders meinen kreativen und verantwortungsvollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Meinem Nachfolger wünsche ich gutes Gelingen bei der Wahrung und Bereicherung einer großartigen Kulturtradition.

Nikolas Kerkenrath
Leiter der Bayer Kulturabteilung, 1986 - 2008
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